Militärische Einsichten

aus dem Falkland- und dem Libanon-Krieg

Von Josef Joffe

Port Stanley/Tel Aviv

Wir konnten nur noch ,Deckung‘ brüllen“, erinnert sich der Kapitän des britischen Zerstörers Sheffield. „Drei oder vier Sekunden später schlug die Rakete ein und explodierte. Nach 20 Sekunden war der ganze Mittelaufbau in schwarzen, stechenden Qualm gehüllt.“ Der stundenlange Kampf gegen die Flammen war vergeblich. Captain James Salt läßt das Schiff räumen; die „shiny Sheff“, das glänzende Prunkstück der Falkland-Flotte, ist nicht mehr.

Noch in derselben Woche resümiert Admiral Stansfield Turner, einst Chef des CIA: „Die Existenz dieses Schiffes wurde durch den Angriff eines einziges Flugzeuges, einer einzigen Rakete beendet.“ Weltweit beflügelt der Untergang der Sheffield die professionellen Weissager in Politik und Publizistik zu ähnlichen Schnellschlüssen. Wenn eine wohlfeile Exocet-Rakete (500 000 Mark) einen sündteuren Zerstörer (120 Millionen Mark) vernichten könne, dann sei die Zeit der großen Schiffe endgültig vorbei. Die Zukunft gehöre den Mikrochips, den billigen „intelligenten“ Waffen mit Radaraugen und Computergehirn, dem „automatisierten Schlachtfeld“.

Doch der Admiral irrte gleich doppelt. Nicht ein, sondern zwei Flugzeuge hatten die Sheffield angegriffen. Nicht eine, sondern zwei Raketen wurden ausgeklinkt. Eine Exocet flog blindlings daneben und versank irgendwo im Meer. Die zweite traf zwar, explodierte aber nicht – allen frühen Kriegsberichten zum Trotz. Das Schiff hatte dennoch Unglück im Glück: Ein bizarrer Zufall bescherte der Sheffield den Flammentod.