Von Axel Thomas

Äpfel und Birnen würden verglichen, wenn man immer noch pauschal von „den Japanern“ spreche, meinte Harald Wulff, Deutschlandchef der Nissan/Datsun-Gruppe bei der Vorstellung seines neuen Mittelklassemodells „Sunny“. Wulff möchte gern seine Marke ohne den nationalen Überkleber präsentiert sehen. Ob er damit den richtigen Zeitpunkt erwischt hat – er muß in diesen Monaten seinen Käufern klarmachen, daß seine Autos nicht mehr Datsun, sondern Nissan heißen –, ist fraglich.

Aber verständlich ist der Wunsch des Managers schon, denn der Japan-Bonus auf dem deutschen Automarkt verkehrt sich allmählich in sein Gegenteil: Die Japaner gelten als die Verlierer der Saison. Auch hier ist das Pauschalurteil ungerecht, denn Toyota in Köln mußte in diesem Jahr schon ein Minus von knapp 30 Prozent wegstecken, während Nissan mit 3,3 Prozent und Mazda mit 13,6 Prozent Einbuße davonkamen.

Ein „Japan-Auto“ galt noch vor zwei Jahren als Synonym für solide, unkapriziöse Technik, gute Haltbarkeit und niedrigen Preis. Der Preis und die komplette Ausstattung der Fahrzeuge ohne Mehrkosten waren sicher der Hauptgrund für den überraschenden Erfolg der Wagen made in Nippon, nachdem sich Stylisten auch von den Schnörkelformen früher Jahre losgesagt und „europäische“ Autos entworfen hatten.

Als der Yen auf dem internationalen Geldmarkt teurer wurde, die Exporteure folglich ihre Preise erhöhen mußten, als die europäischen Hersteller mit besser ausgestatteten Fahrzeugen die japanische Offensive konterten und als sich allmählich herumsprach, daß die Wagen des größten Automobilbauerlandes der Welt auf den hiesigen Gebrauchtwagenmärkten nicht hoch im Kurs standen – da begann die gerade eroberte japanische Bastion zu bröckeln.

Selbstverständlich versuchen die Exporteure, ihre Stellungen zu halten oder zumindest ihre Frontlinien in der Verkaufsschlacht zu begradigen. Sie tun dies auf eine Weise, die auf alte Rezepte

zurückgreift und ein durchaus gleichartiges Vorgehen der Japaner erkennen läßt. Sie bieten neue Modelle an, die preislich unter vergleichbaren einheimischen Erzeugnissen liegen. Zugleich leisten sie ihren Tribut an das wiedererwachende Interesse der deutschen Käufer für technisch hochwertige Konzeptionen.