Von Jes Bau

Um in Oklahoma erfolgreich zu sein, muß man notfalls Micky-Maus-Ohren aus Gummi anlegen, muß man Bier aus Cowboystiefeln trinken und das lässige Auftreten eines old country boy an den Tag legen. Das mochten sich die Banker in New York und Chicago gedacht haben, die aus ihrer nadelgestreiften Haut nicht heraus können und mit einer Mischung aus Abscheu und Bewunderung beobachteten, mit welchen Methoden „Bill“ (William) Patterson Geschäftsverbindungen mit den Öl- und Gasbohrern in Oklahoma herstellte. Patterson war bei der Penn Square Bank in Oklahoma City für Darlehen zur Finanzierung von Energieprojekten zuständig, wo – zumindest bis vor kurzem – das ganz große Geld zu machen war. Und eines der Prinzipien von Patterson im Umgang mit den Öl-Abenteurern lautete: Ein bißchen Spaß kann nie schaden.

Der Erfolg schien ihm recht zu geben. In wenigen Jahren mauserte sich Penn Square von einer kleinen Klitsche, die Konsumentenkredite an die Kunden eines Einkaufszentrums ausgab, zur viertgrößten Bank im Staate Oklahoma. Dank Pattersons Beziehungen zu den nach Öl bohrenden Glücksjägern erwarb sich die Penn Square in Branchenkreisen den Ruf der Energie-Expertin, von der auch andere Banken gerne profitieren wollten. Mangels eigener Kontakte zu den eher ungehobelten Gesellen in diesem Geschäft beteiligen sich Rieseninstitute wie die New Yorker Chase Manhattan Bank und die Continental Illinois Bank in Chicago gerne an den offensichtlich lukrativen Geschäften der Provinzler.

Insgesamt trat Penn Square-Chef Billy Jennings den Großbanken von Patterson angeleierte Kreditverträge im Wert von zwei Milliarden Dollar ab. Bei der Auswahl der Projekte, die damit finanziert wurden, zeigten die Leute aus Oklahoma allerdings wenig von ihrem angeblichen Know-how. Das stellte sich heraus, als die Bank plötzlich in Zahlungsschwierigkeiten geriet und die Aufsichtsbehörden des Controller of the Currency sämtliche Darlehen überprüften. Ein so großer Teil nicht nur der abgetretenen, sondern auch der eigenen Forderungen erwiesen sich als wertlos, daß die Bank vor kurzem zumachen mußte. Ihre Liquidierung hat begonnen.

Für Einlagen bis zu hunderttausend Dollar haftet zwar die Kreditversicherung der Federal Deposit Insurance Company (FDIC), aber viele Privatleute und Firmen hatten der Bank weit größere Beträge anvertraut, ohne sich abzusichern. Von ihrem Vermögen werden die Kunden nur einen Bruchteil wiedersehen. Zu den vertrauensseligen Einlegern gehören unter anderem auch 150 Kreditgenossenschaften, die der Penn Square insgesamt hundert Millionen Dollar zur Verfügung gestellt hatten.

Die größten Verlierer aber sind die Großbanken, die so wild darauf waren, Penn Squares Kreditforderungen zu kaufen. Auf der Rangliste der Dummen liegt die Continental Illinois ganz vorne, gefolgt von der Chase Manhattan, Northern Trust, Seattle First National und Michigan National. Insgesamt haben diese Banken bisher 450 Millionen Dollar als Verluste abschreiben müssen.

Wenn Prestigeadressen wie Chase Manhattan und Continental Illinois derartigen Schaden nehmen, brauchen sie für den Spott nicht zu sorgen. Und die Angeschmierten fragen sich natürlich selbst: Wie konnte das passieren? Der Verdacht liegt nahe, daß seitens der Penn Square nicht nur Sorglosigkeit und Dilettantismus im Spiel waren, sondern auch Betrug. Denn die Mehrheitsaktionäre und mehrere Direktoren der Bank sind selbst Ölbohrer in Oklahoma, die bei ihrer Hausbank fleißig pumpten. Die Penn Square Bank scheint für sie so etwas wie ein Selbstbedienungsladen gewesen zu sein.