Das Rennen der Kronprinzen

Das Duell im Kreml um Leonid Breschnjews Nachfolge dauert an. Ex-Geheimdienstchef Jurij Andropow, der als ZK-Sekretär die Rolle des verstorbenen Chefideologen Michail Suslow übernommen hat, setzte sich dieser Tage an die Spitze – allerdings nur beim Einmarsch der Parteiführer zur Sitzung des Obersten Sowjets der Russischen Föderativen Republik. Unter dem Applaus der Delegierten betrat Andropow als erster den Saal, deutlich abgesetzt von anderen Spitzenfunktionären wie Ministerpräsident Tichonow und dem langjährigen Mitbewerber um Breschnjews Nachfolge, Andrej Kirilenko. Allerdings nahmen Parteichef Breschniew und der zweite Kronprinz, Konstantin Tschernjenko, an der Tagung nicht teil. Tschernjenko, der Favorit Breschnjews, pocht ebenfalls auf seine Anwartschaft. Prawda und Istwestija veröffentlichten jüngst neue, gesammelte Reden und Schriften Kirilenkos und unterstrichen sein Eintreten für „kollektive und kollegiale Führung.“

5 = 18

Eine Gesetzesänderung im Schnellverfahren – die Eigenbeteiligung von fünf Mark bei Rettungs- und Krankentransporten – erweist sich als Bumerang. Sogar als zwiefacher: Weil sich Bar-Abrechnung verbietet, muß eine Gebührenrechnung geschrieben und verschickt werden, was zwischen acht und fünfzehn Mark kostet. Mit dieser Summe, so warnen die kommunalen Spitzenverbände, wird der Träger des öffentlichen Rettungsdienstes belastet, der dies durch Erhöhung der Gebühren kompensieren muß – die auch derjenige aufzubringen hat, der seine fünf Mark Eigenbeteiligung entrichtet hat.

Mißglückte Ehrung

Das italienische Finanzministerium wollte einen großen Sohn des Landes ehren, den venezianischen Weltreisenden Marco Polo, und irrte sich. Marco Polos Bild schmückt die neue Tausend-Lire-Banknote, die millionenfach in Umlauf gebracht wurde. Kunstexperten behaupten jedoch, daß es sich bei dem Abgebildeten unmöglich um Marco Polo handeln könne. Das Gemälde, das als Vorlage für die Banknote diente, sei frühestens 1540 entstanden. Marco Polo aber starb bereits 1324. Die Inschrift (Marco Polo aus Venedig, der als erster die ganze Welt bereiste und Indien besuchte) sei erst nachträglich eingefügt worden. Das Bild des Künstlers Lorenzo Lotto zeige einen unbekannten Italiener des 16. Jahrhunderts – von dem großen Marco Polo existiere überhaupt kein Porträt.

Spät-Heimkehrer