Zwei Wochen lang stritt die „Organistion für afrikanische Einheit“ um den Status der West-Sahara-Republik Weil sie sich darüber nicht einigen konnte, platzte das ganze Treffen.

Hartnäckig beschwor die libysche Presse die afrikanische Eintracht. Das Gipfeltreffen sei nun endlich eröffnet worden, schrieb eine verstaatlichte Tageszeitung, und Muammar al-Ghaddafi, der Gastgeber, habe es als „Wendepunkt in der Geschichte des modernen Afrika“ bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt war die Konferenz der „Organisation für afrikanische Einheit“ (OAU) freilich endgültig Einheit“ tert und Ghaddafi um jenen Auftritt gebracht worden, den er sich zu gern zugedacht hätte: der libysche Revolutionär als Führer Afrikas.

Den Schuldigen für die Blamage fand Ghaddafi rasch: Amerika, so ließ er grimmig wissen, habe mit „schmutzigen Tricks“ den Gipfel boykottiert. Doch Ghaddafi wollte damit nur von dem miserablen Zustand ablenken, in dem sich die QAU derzeit befindet. Der Gipfel scheiterte, ehe er begann, weil Afrika in zwei Lager auseinandergebrochen ist. Die „Radikalen“, Ghaddafi an der Spitze, wollten die freute Polisario als 31. OAU-Mitglied aufnehmen; dagegen wehrten sich vehement die „Gemäßigten“ – voran Marokko, das mit den „Freiheitskämpfern“ im Krieg liegt. Um das Problem Polisario überhaupt auf die Tagesordnung zu bringen, hätte es, so will es die OAU-Charta, der Zustimmung von 34 Staaten bedurft. Mehr als zwei Wochen bekniete Ghaddafi seine Gegenspieler, um dieses „Quorum“ doch noch zustande zu bringen – vergeblich.

Dabei ist das Problem Polisario nicht einmal ein typisch afrikanisches; es gehört zu einem Streit unter Arabern, in den sich die Afrikaner hineinziehen ließen. Es geht um die ehemals spanische Westsahara, die 1979 Marokko zugeschlagen wurde. Die Polisario kämpft um die Unabhängigkeit dieses Gebiets, das sie „Westsahaurische Arabisch-Demokratische Republik“ nennt, ein unwirtliches, kaum bewohnbares Land, in dem allerdings reiche Phosphor- und Erzvorkommen liegen und in dem auch Öl vermutet wird. Libyen und Algerien protegieren seit langem die Guerilla; deren Gegner König Hassan II. von Marokko wird von Saudi-Arabien und Amerika geholfen.

Marokko feiert denn auch das Scheitern der OAU-Konferenz als seinen Sieg und als einen Affront gegen den selbstherrlichen Ghaddafi. Tatsächlich war für manches Mitgliedsland, das Tripolis fern blieb, der Streit um die Polisario nur ein Anlaß, um Ghaddafi, den Gastgeber und – so ist der Usus – OAU-Präsidenten für das nächste Jahr, zu brüskieren. Ägypten, Sudan, Somalia und Uganda demonstrierten, daß sie den unberechenbaren Revolutionsführer für denkbar ungeeignet halten, im Namen aller Afrikaner zu sprechen und zu agieren. Züre war erst gar nicht von Ghaddafi eingeladen worden, weil es kürzlich diplomatische Beziehungen zu Israel aufgenommen hat.

Dafür nahmen Ghaddafis Gegner sogar in Kauf, daß die OAU in die schwerste Krise ihres 19jährigen Bestehens schlitterte. Ihre Zukunft ist ungewiß. Nach dem Debakel von Tripolis besteht kaum Aussicht, daß Afrika die Gegensätze zwischen dem arabischen Norden und Schwarzafrika, zwischen prowestlichen und proöstlichen Regimen abbaut und aus der Abhängigkeit von den Großmächten herausfindet. Darüber soll nun der nächste OAU-Gipfel beraten – ungewiß wann, wo und in welcher Zusammensetzung.

Gerhard Sport