Im italienischen Bankensystem wächst der Einfluß der staatlichen Kreditinstitute. Der Tod des undurchsichtigen italienischen Bankiers Roberto Calvi hat weitreichende Folgen.

Was für Überraschungen auch immer der Zusammenbruch von Italiens größter Privatbank noch bringen mag, soviel ist sicher: Das öffentliche Bankensystem des Landes hat davon profitiert. Direkt oder indirekt kontrolliert Rom ohnehin fast zwei Drittel aller Bankgeschäfte, denn die sieben größten Banken des Landes gehören dem Staat oder der Staatswirtschaft.

Drei von ihnen, nämlich die Banca Nazionale del Lavoro, die Banco San Paolo di Torino und das Instituto Mobiliare Italiano, haben sich als Teilnehmer des Rettungskonsortiums der alten Banco Ambrosiano die Beute mit vier Privatbanken zur Hälfte geteilt. Sie gaben dem angeschlagenen Institut neunhundert Millionen Mark Kredit, und das reichte, um die Behörden dazu zu bringen, daß sie ihnen als Sicherheit den Betrieb der Nachfolgebanken übertragen mußten. Es war aber zu wenig, um die Banco Ambrosiano wirklich zu retten.

Die „Retter“ wußten nämlich von vornherein, wie weit sie gehen mußten, um sich in den Besitz der 103 Ambrosiano-Filialen ihrer grundsoliden Kundschaft und der geldschweren Beteiligungen zu setzen, die mehr wert waren als ihre Kredite. Sie gewährten zunächst unbegrenzten Kredit und drehten kurz vor der vermeintlichen Rettung dann den Hahn zu. Zum Präsidenten der Nachfolgebank, der „Nuovo Banco Ambrosiano“, haben sie den Manager einer kleinen Privatbank bestellt. Die Ämter der Vizepräsidenten und Generaldirektion teilen sich nun die Staatsbanken. Die Rechnung geht auch nach Parteien genau auf: Die Hälfte der neuen Führung ist christdemokratisch, die Hälfte sozialistisch.

Dieses Gleichgewicht nach Couleur ist wichtig in einem Land, in dem die Sparkassenleiter durch den Staat bestimmt werden. So blieb die Sparkasse der Lombardischen Provincen bis vor wenigen Jahren die größte Sparkasse der Welt, lange Zeit ohne Leitung, weil sowohl Sozialisten wie Christdemokraten einen der ihren an die Spitze stellen wollten. Heute profitiert dieses Institut ebenfalls indirekt vom Ambrosiano-Krach.

Der katholische Industrielle Carlo Pesenti, mit 3,5 Prozent größter bekannter Einzelaktionär der Banco Ambrosiano und mit mehr als einer Milliarde Mark größter italienischer Schuldner der Gruppe, mußte zur Sanierung seines wackelnden Imperiums eine seiner eigenen Banken verkaufen. Pesenti verliert als Aktionär mit der Liquidation der Banco Ambrosiano zweihundert Millionen Mark, weil er die Aktien zum Höchstkurs kaufte.

Der Vatikan, der sein Paket von 1,6 Prozent schon lange besaß, büßte immerhin dreißig Millionen Mark ein.