Wenn ehemalige Befreiungskämpfer erst einmal zu international anerkannten Staatsmännern aufgerückt sind, werden sie ganz plötzlich auch für die Bonner CDU/CSU akzeptabel. Unlängst war eine kleine Gruppe von Oppositionsabgeordneten in Simbabwe (früher Rhodesien), besuchte dort den Ministerpräsidenten Robert Zugabe und war ganz angetan von ihm. Als Mugabe noch Befreiungskämpfer war, wurden die damaligen Bonner Entwicklungsminister Egon Bahr und später Marie Schlei von der CDU/CSU-Opposition noch heftig dafür kritisiert, daß sie die Befreiungsbewegung materiell – vor allem in Form von humanitärer Hilfe – unterstützt hatten.

Von solchen politischen Fehlschätzungen ihrer Entwicklungsexperten will die Union nun nichts mehr wissen. So bestätigte der CDU-Abgeordnete Peter Petersen Entwicklungsminister Rainer Offergeld ausdrücklich die Weitsicht der Bundesregierung, daß sie sich lange vor der Regierungsübernahme durch Mugabe für den Freiheitskampf eingesetzt habe. Insbesondere der von Bonn mitfinanzierten Otto-Benecke-Stiftung beeindruckt. Peter Petersen nach seinem Besuch bei Mugabe: „Er (Mugabe) vermittelte uns den Eindruck, als ob er sehr gerne auch in Zukunft die Zusammenarbeit mit der Benecke-Stiftung intensivieren würde. Ich habe das Gefühl, daß die Bundesrepublik durch die Benecke-Stiftung ein erhebliches Vertrauenskapital gewonnen hat und möchte Sie ermuntern, diesen Wunsch Mugabes – auch im Blick auf die Zukunft – in Richtung auf Einrichtung von Berufsschulen in Simbabwe zu unterstützen.“

Die Bemerkung des saarländischen Finanzministers Gerhard Zeitel, zugleich auch Bundesvorsitzender der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Bonn habe mit seiner Bereitschaft, dem angeschlagenen Elektrokonzern AEG zu helfen, „den Staat zu einem Rtparaturbetrieb für Großunternehmen degeneriert“, hat den Suatssekretär im Bonner Wirtschaftsministerium, Otto Schlecht, verärgert. In einem Brief an Zeitel wies Schlecht die Kritik des Mittelstandslobbyisten als „nicht gerechtfertigt und sachlich unbegründet“ zurück. Schlecht erläuterte dem Finanzminister aus Saarbrücken dann, bei der „Entscheidung zugunsten AEG ist es nicht primär um eine vorübergehende Hilfe für AEG als solcher gegangen, sondern vor allem um den Versuch, gesamtwirtschaftlichen Schaden im In- und Ausland abzuwenden“. Dann erinnert Schlecht Zeitel nebenbei an die Subventionen für das Saarland. Der Staatssekretär süffisant: „Schließlich kann ich nicht die Frage unterdrücken, ob die ihnen zugeschriebenen Äußerungen als Aufforderung des Vorsitzenden der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung an den saarländischen Finanzminister aufzufassen sind, die bisherigen Bürgschaften und Subventionen für die saarländische Stahlindustrie für falsch zu halten, künftig den Stahlwerken Röchling Burbach keine Hilfe mehr zu gewähren und schon gar nicht von Bonn zu fordern.“

Ende August, Anfang September wird Manfred Emcke, externer Berater von Verteidigungsminister Hans Apel, sein abschließendes Gutachten zu der Frage vorlegen, mit welchen organisatorischen und sonstigen Maßnahmen das Rüstungsmanagement des Verteidigungsministeriums effektiver gestaltet werden kann. Erst wenn das Gutachten, bei dem Emcke Mitarbeiter der Firma Mc Kinsey zur Seite stehen, übergeben und der Vertrag von Apels Rüstungsberater ausgelaufen ist (31. 12. 1982), wird Emcke sein Amt als schon gewähltes Aufsichtsratsmitglied der Bremer Vulkan Schiffbau und Maschinenfabrik wahrnehmen. Die Wahl Emckes Ende Juni hatte in Bonn Aufsehen erregt, So wollte der CSU-Bundestagsabgeordnete Otto Regenspurger vom Verteidigungsminister wissen, wie sich denn diese Tatsache mit den Maßnahmen des Ministeriums vereinbart, durch die Angehörigen des Verteidigungsministeriums nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst eine Tätigkeit vor allem in der Rüstungswirtschaft unmöglich gemacht werden soll,

Die Antwort von Staatssekretär Wilfried Penner fiel recht gewunden aus. Einerseits sagt er, Emcke sei selbständiger Berater und nicht Angehöriger des Hauses, womit er nicht den einschlä-Dienst-Ausscheiden unterliege. Andererseits hat sich das Verteidigungsministerium auch dagegen abgesichert, daß selbständige Berater des Verteidigungsministeriums ihre im Ministerium erworbenen Kenntnisse Unternehmen zugänglich machen. Penner meinte, was diese Frage angehe, „gilt für Herrn Emcke kraft Beratervertrag praktisch dasselbe wie für einen früheren Bundeswehr-Angehörigen kraft Gesetz oder Dienstvertrag. Herr Emcke hat wie ein Bundeswehr-Angehöriger während und nach der Beendigung seiner Tätigkeit bei der Bundeswehr über alle ihm bekannt gewordenen dienstlichen Angelegenheiten Stillschweigen gegenüber jedermann zu bewahren“.

Seine Aufgaben als AR-Mitglied beim Marineauftragnehmer Vulkan will Emcke ganz bewußt erst wahrnehmen, wenn er von seinen Pflichten bei Apel entbunden ist. Die Wahl Emckes in den Aufsichtsrat der Werft könnte unter Umständen langfristig positive Folgen für den Steuerzahler haben, dann jedenfalls, wenn Aufsichtsratsmitglied Emcke seinem Vorstand so auf die Finger schaut, wie er das als Apel-Berater für empfehlenswert hält. Kostenüberschreitungen in Zig-Millionen-Höhe, wie sie von der Vulkan-Werft beim Fregatten-Bauprogramm verursacht wurden, dürften in Zukunft der Vergangenheit angehören,

Wolfgang Hoffmann