Das Friedensengagement in der DDR ist mit der westlichen Friedensbewegung kaum zu vergleichen

Von Gerhard Horstmeier

Ende der siebziger Jahre in Berlin-Ost. Die Synode der evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg (Ost) diskutiert über das Thema „Frieden“. Da steht ein älterer Pfarrer aus Ostberlin auf und stellt die ganze Erklärung in Frage: Das Wort „Frieden“ sei durch die jahrelange Propaganda von Staat und Partei so sehr inhaltlich geprägt, daß kein Bürger der DDR den ganz anderen Ansatz und die unterschiedlichen Inhalte einer solchen kirchlichen Erklärung verstehen, geschweige denn unterstützen würde.

So einleuchtend dieses Argument damals erschien – heute sieht die Wirklichkeit in der DDR anders aus. Wenn von „Frieden“ die Rede ist, sind die Menschen in der DDR sehr gut in der Lage zu unterscheiden, ob da der Friede gemeint ist, der „bewaffnet“ sein muß, wie es die SED fordert, oder ob da die vom Frieden reden, die ihn schaffen wollen „ohne Waffen“ – wie es das Leitwort für die „Friedensdekade 1980“ der evangelischen Kirche in der DDR formuliert. Aber kann man das, was da drüben passiert, überhaupt als „Friedensbewegung“ bezeichnen und es damit – bewußt oder nicht – in eine Parallele zur Friedensbewegung in der Bundesrepublik setzen? Wie unterscheidet sich die Bewegung dort von der hier? Wie ist sie entstanden, und wer trägt sie? Diese Fragen sind schwer zu beantworten, weil sie in der DDR selbst öffentlich nicht gestellt werden dürfen und daher auch nicht diskutiert werden können.

Zwei Bücher, natürlich im Westen entstanden, versuchen die Frage nach einer eigenständigen, nichtstaatlichen Friedensbewegung in der DDR zu beantworten. Und beide tragen den inzwischen auch hier bekannten und benutzten Slogan „Schwerter zu Pflugscharen“ auf dem Umschlag – entnommen jenem in der DDR entstandenen Aufnäher, der das von der Sowjetunion der UNO in New York gestiftete Denkmal zeigt, auf dem ein herkulischer Schmied dabei ist, entsprechend den Worten des biblischen Propheten Micha ein Schwert in einen Pflug umzuschmieden. Slogan und Aufnäher sind zum Symbol geworden, nicht zuletzt deshalb, weil die DDR-Behörden zum Teil drakonisch gegen die Jugendlichen vorgingen, die diesen Aufnäher trugen. Inzwischen scheint die harte Reaktion der DDR-Sicherheitsbehörden etwas abgeklungen zu sein, doch der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg (Ost), Gottfried Forck, hält es immer noch für nötig, den Aufnäher selbst zu tragen, um dadurch zu zeigen, daß er auf der Seite der Jugendlichen steht.

Das eine Buch, verfaßt von zwei Autoren, von denen einer erst 1978 aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen ist, nachdem er bis dahin in Leipzig Theologie studiert und sich aktiv an der kirchlichen Friedensarbeit beteiligt hat, ist in Berichtsform geschrieben und hält auch mit seiner Interpretation nicht zurück:

Klaus Ehring/Martin Dallwitz: „Schwerter zu Pflugscharen – Friedensbewegung in der DDR“; rororo – aktuell, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Hamburg 1982, 280 S., 8,80 DM.