Die deutschen Wertpapiermärkte haben die Insolvenz von AEG-Telefunken besser überstanden als zunächst befürchtet worden war. Nun kam für niemand diese Pleite überraschend. In den Börsensälen war man seit langem darauf gefaßt. Was sie für die kreditgebenden Banken bedeuten würde, war vorher ausgiebig diskutiert worden, so daß auch deren Kurse von Kursstürzen verschont geblieben sind. Möglicherweise haben die Institute selbst für einen geordneten Rückzug ihrer Papiere gesorgt. Neue Belastungen für die Bank-Aktionäre können sich erst wieder dann ergeben, wenn die Verhandlungen über die ungesicherten Polen-Kredite in ihre kritische Phase geraten.

Verunsichert zurückgeblieben sind indessen die privaten AEG-Aktionäre. Der Kurs ihrer Papiere ist auf 24 Mark zurückgefallen, und niemand vermag zu sagen, ob dies schon das Ende des Abstiegs bedeutet. Denn selbst wenn das Vergleichsverfahren nicht im Konkurs landen sollten, steht mit einiger Sicherheit am Ende einer gelungenen Sanierung ein neuer Kapitalschnitt.

Die Vorgänge um den zweitgrößten deutschen Elektrokonzern ließen in den Börsensälen die anderen großen Problemkreise, nämlich Konjunktur und Zinsen, weit in den Hintergrund treten. Das dürfte sich jetzt aber ändern. Die näherrückende Debatte um den Bundeshaushalt, der nur durch eine höhere Schuldenaufnahme als bisher vorgesehen auszugleichen sein wird, dämpft die Hoffnungen auf eine Zinssenkung in der Bundesrepublik. Der kräftig gestiegene Dollar-Kurs läßt der Bundesbank ohnehin keinen Spielraum für eigene zinspolitische Entschlüsse. K. W.