Hervorragend

Stevie Wonder "Original Musiaquarium I". Er ist längst der "Pate" der Soul Music, und dieses Doppelalbum – ein Rückblick auf zehn Jahre Stevie Wonder mit ganzen vier neuen Songs – demonstriert vor allem eines, nämlich sein unübertroffenes Talent, Swing und Soul, Funk und Ballade, Botschaft und Kommerz so selbstverständlich auf einen-Nenner zu bringen, wie das außer ihm kaum jemand so einfallsreich vermag. Was immer der Soul-Bruder von seinem Idol Ray. Charles lernte (dessen frühe Jahre finden sich auf einer liebevoll dokumentierten 5-LP-Kassette mit dem Titel "A Life In Music", Atlantic ATL 60 165), hat er mittlerweile zu einer Meisterschaft entwickelt, die ihn zum Duke Ellington der Popmusik macht. Und nebenbei ist dies sein erstes "Musaquarium" auch das beste Tanz- und Party-Album des Jahres. Vor dem Kauf sollte man sich trotzdem von der Fertigungsqualität überzeugen. (Tamla Motown/Bellaphon 325 15 001)

Franz Schüler

Hörenswert

Wolfgang Amadeus Mozart: "Thomas, König in Ägypten". Gleich in Nummer eins, einem Chor von Priestern und Sonnenjungfrauen, glaubt man, Wendungen aus der’achtzehn Jahre späteren "Zauberflöte" zu erkennen. Umgekehrt: bei einem Besuch in Frankfurt hörte der Komponist seine für ein "heroisches Drama" des auf diese Weise unsterblich gewordenen Freiherrn Tobias Philipp von Gebler geschriebene Musik zu einem ganz anderen Theaterwerk. Und schließlich meint Mozart in einem Brief an seinen Vater, die Komposition "müßte nur blos der Musik wegen aufgeführt werden". Um 1773 ist Komponieren immer noch auch eine nicht in die Eindeutigkeit führende Kunstproduktion, sondern gibt sich variabel in der Verwendung. Die bei der letztjährigen Salzburger Mozart-Woche vom Funk mitgeschnittene Aufnahme wirkt fast ein bißchen zu monströs, monumental, wuchtig, als daß man sich vorstellen könnte, sie gehörte in ein kleines Theaterchen. Nur bloß der Musik wegen aber besticht sie durch Brio und Klangfreude, Direktheit und Differenzierungen. (Robert Holl, Salzburger Kammerchor, Mozarteum-Orchester, Leitung: Leopold Hager; DG 2537 060) Heinz Josef Herbort

David Sancious: "The Bridge". "Die Brücke" ist das, sagen wir, das an (Synthesizer-) Klängen aufwendigste, aber auch aufgeblasenste und an Inhalt ärmste Stück: Traum eines Pianisten von der Orchesterklangmalerei. Dabei hat der begabte amerikanische Jazzmusiker David L. Sancious sie überhaupt nicht nötig, weil das Klavier ihn zu weit farbkräftigeren Erfindungen herausfordert, so wie es fast alle anderen Stücke! dieser Schallplatte zeigen: eine Art von Charakterstücken mit Titeln wie "Sonntag", "Stille Szenen", "Unsichtbarer Tanz", "Taschenspielerstreich" oder "Was, wenn?" Ihrer aller Charakteristikum ist der Gebrauch von Motivwiederholungen, Ostinati und Tremoli, auf denen sich der Improvisator Sancious mit sehr gezügelten Figuren ausbreitet. Seine Musik ist rhythmisch klar, sie ist energisch und von einer kühlen Farbigkeit, und sie hat Originalität. (Elektra/WEA MUS K 52 403) Manfred Sack