ARD, Südwest III, Donnerstag, 12. August, 21.35 Uhr; Nord III, West III, HR III, Montag, 16. August, 20.15 Uhr: "Das Beil von Wandsbek Film von Horst Königstein und Heinrich Breloer nach dem Roman von Arnold Zweig.

Das Vergangene wird Gegenwart: Hamburger Bürger, ältere, ordentliche, friedfertige Leute, erinnern sich an eine Zeit, als sie selber jung waren, ihr Leben düster und dramatisch; als Hamburg, die schöne Stadt, und Deutschland, das saubere Land, eine "gefährliche Dschungelgegend" waren – so hat es Arnold Zweig formuliert, 1938, in seinem Roman "Das Beil von Wandsbek".

Alte Menschen erzählen vor der Kamera stockend ihre Geschichten, Lebensgeschichten – und werden unversehens zu beredten Zeugen der Zeitgeschichte; Zeugen, die noch kaum einer gehört hat, hat hören wollen. "Spurensicherung von ausgeblendeter Geschichte" nennen die Autoren Heinrich Breloer und Horst Königstein diesen, den historischen, archäologischen Teil ihres Films. Er ist eine subtile Dokumentation, voller Respekt für die Befragten, voller Neugier für das Alte. Das gibt es im Fernsehen nicht oft, gab es aber schon manchmal, gerade auch von diesen Autoren.

Das Vergangene wird aber auch anders gegenwärtig: Hamburger Schauspieler spielen 1982 Hamburger Bürger von 1932/33; sie erzählen filmisch die Geschichte des Romans nach, den Arnold Zweig im palästinensischen Exil, in Haifa, geschrieben hat.

Ein Spielfilm also auch, eine Literaturverfilmung mit Szenen wie dieser: Ein blonder deutscher Schlächtermeister fährt mit Fahrrad und Lastkarren durch eine dunstig-graue Stadt. In der Holzkiste, in der er sonst seine Fleischerwaren transportiert, liegt die Leiche seiner Frau, die sich erhängt hat. Es ist eine lange, einsame, pathetische Fahrradfahrt, Nebel wallt, und die traurig-schönste Musik (Mozarts Klarinetten-Quintett) erklingt.

Kino. Auch das gibt es im Fernsehen nicht oft, wenn Literatur zu Film gemacht wird. Und geradezu verwegen (und manchmal auch verwirrend) ist Königsteins und Breioers Versuch, aus Romanverfilmung und historischer Recherche ein einziges, kompliziert verschlungenes Fernseh-Stück zu machen, dessen Teile einander ergänzen und kommentieren – Dokumentarfilm und Literaturfilm feiern eine Begegnung der dritten, der besseren Art, weit weg von der Mühsaldes Schulfunks und des kleinen Fernsehspiels.

Der historische Fall: ein Juli-Sonntag in Hamburg-Altona, 1932. SA marschiert – mitten durch das alte Arbeiterviertel. Schüsse fallen. Am Ende des Tages, den man den Altonaer "Blutsonntag" nennen wird, sind siebzehn Menschen gewaltsam ums Leben gekommen.