Von Allister Sparks

Reform der Apartheid: Mischlinge und Inder erhalten nun politische Rechte. Doch vielen Weißen geht die Reform zu weit – sie fürchten um ihre Vorherrschaft

Johannesburg, im August

Zwei Monate nach dem Bruch in der National Partei, die Südafrika seit 34 Jahren regiert, ist offensichtlich auch die Apartheid-Ideologie in Auflösung begriffen. Es mehren sich die Anzeichen, daß die Regierung stürzen wird. Sie hat zwar das Parlament mit 125 von 177 Sitzen immer noch fest im Griff. Aber die Afrikaner, die in der weißen Gemeinschaft dominieren, wissen nicht mehr genau, wohin die Politik der Regierung zielt.

Viele Generationen sind in dem Bewußtsein aufgewachsen, daß allein die Apartheid – die strikte politische und soziale Rassentrennung – das Überleben der Afrikaner angesichts der enormen schwarzen Mehrheit sichern könne. Nun aber behauptet die Regierung plötzlich, daß die Afrikaner sich „anpassen oder sterben“ müßten.

Die Afrikaner, erzogen in dem Glauben, daß Integration nationalen Selbstmord bedeutet, sollen sich nun damit abfinden, daß ein bißchen Selbstmord schon not tue.

„Reform“ ist zum Modewort geworden. Aber Reform wohin? Niemand kann sie definieren. Die Herrschaft der schwarzen Mehrheit wird emphatisch wie je zurückgewiesen. Gleichzeitig gibt die Regierung jedoch zu, daß die Apartheid ungerecht und unpraktisch geworden ist. Unruhe und Unsicherheit beherrschen die weiße Gemeinde seit jene Verfassungsänderungen veröffentlicht wurden, die ein Ausschuß, von Premier Pieter Botha vor zwei Jahren eingesetzt, erarbeitet hatte. Botha kündigte an, er wolle die Macht der Weißen mit den Mischlingen und der indischen Minorität teilen.