AEG-Vergleich: Der Kampf um die Zukunft hat erst begonnen

Als Heinz Dürr am Montag in Frankfurt den Vergleichsantrag für AEG stellte, als Nachrichtenagenturen die Meldung über den größten Insolvenz-Fall der deutschen Nachkriegsgeschichte in alle Welt tickerten, als der Kurs der deutschen Mark nach dieser Hiobsbotschaft absackte – da reagierten einige Mitarbeiter der Hauptverwaltung am Theodor-Stern-Kai verblüffend: Sie diskutierten darüber, daß sie nun wohl alle umziehen müßten, weil unter hierarchischen Gesichtspunkten der Vergleichsverwalter Wilhelm Schaaf wohl im obersten Stockwerk residieren müßte.

Nicht die Krise des Konzerns, sondern die Verwaltung der Krise hat bei AEG Tradition. Damit ist jetzt zwangsläufig Schluß, denn die alte AEG hat am Montag aufgehört zu bestehen. Mit der Verzweiflungstat eines Vergleichsantrags will Heinz Dürr zumindest eine halbierte AEG retten. Seine „neue AEG“soll

  • mit sechzigtausend Mitarbeitern einen Umsatz von acht Milliarden Mark erreichen,
  • sich im wesentlichen auf das Investitionsgütergeschäft konzentrieren,
  • sowohl den Hausgerätebereich als auch das Fernseh- und Rundfunkgeschäft abgeben.

Wiederbelebt werden soll der Konzern nicht nur durch Amputationen, sondern auch durch neue massive Geldspritzen. Klar ist freilich heute nur eins: Die alte AEG ist zahlungsunfähig. Um die Zahlung von Löhnen und Gehältern in den nächsten Wochen zu sichern, mußten die Banken bereits zur Kasse gebeten werden.

Um überhaupt einen Vergleich zustande bringen zu können, müssen die Banken darüber hinaus noch einmal zahlen. Denn „zu einem Vergleich reicht die finanzielle Basis von AEG schon jetzt nicht mehr, das führt geradewegs in einen Konkurs“, hatte schon vor einigen Wochen ein Bankier aus dem AEG-Konsortium festgestellt.

Der von Dürr angestrebte Vergleich sieht vor, daß alle AEG-Gläubiger auf sechzig Prozent ihrer Forderungen verzichten. Auf einen Schlag wäre der Konzern von mehreren Milliarden Schulden entlastet. Diese Gewaltlösung funktioniert freilich nur, wenn die AEG-Gläubiger dazu ja sagen – und das stellt sich frühestens in Monaten heraus, wenn sie darüber abstimmen. Angenommen ist der Vergleichsvorschlag erst dann, wenn die Hälfte der vielen Tausend Gläubiger, die überdies zumindest achtzig Prozent der gesamten Schuldsumme vertreten müssen, zustimmen.