Nordhorn

Seit jeher steht scheitelaufwärts vieles in Frage. Es gilt, das Bedürfnis zu befriedigen, in kälteren Zeiten den Kopf warm zu halten oder schlicht einem modischen Trend zu folgen. Kleidsam und ziemlich zugleich soll die Bedeckung des Hauptes sein. Hart wird um jeden Zentimeter Marktanteil geringen. Bezüglich dessen, was den Mann von Welt nach oben hin abrunden kann, sind Fabrikanten mitunter lange Wege gegangen. Aber lohnt sich der weiteste Weg? Haben sich nicht original englische Regenhüte, in Hongkong oder Taiwan vom Band gerollt, bundesweit ebensowenig durchsetzen können wie die Prinz-Heinrich-Mütze von der Küste oder der Seppl-Hut aus dem Bayerischen? Der Hutkunde ist irritiert. Was ist en vogue? Was bietet Schutz vor atlantischen Tiefe?

Verzagen ist nicht am Platze. Hilfe naht aus Nordhorn in Gestalt des dortigen Schöffengerichts. Es hat in Sachen Hut und Mütze entschieden. Angeklagt war ein Ratsherr der Grünen aus dem nahen Bad Bentheim. Dieser, Herbert Wagner mit Namen, hatte vor der niedersächsischen Landtagswahl im Kreis von Parteifreunden der lokalen Presse Modell gestanden. So weit, so wahlkampfüblich. Doch trug er eine Kopfbedeckung, die aus dem Rahmen fiel. Nichts von der Stange, sondern ein Relikt vergangener Polizistenjahre, bevor Wagner umschulte, studierte und Lehrer wurde. Die alte Mütze von damals hatte er sich jetzt zum aktuellen Phototermin aufs Haupt gesetzt.

Die Empörung war groß: Unbefugtes Tragen einer Uniform! Sogleich wurde das Objekt des Grünen beschlagnahmt. In aller Eile, am Tag, als das Bild erschien, denn Gefahr schien im Verzuge: Als zwei Beamte die Mütze zur Wache schafften, vergaßen sie sogar, auf der abschüssigen Straße vor dem Haus des ehemaligen Kollegen die Handbremse zu ziehen. Der Streifenwagen kam in Fahrt, durchbrach einen Zaun und blieb schließe lich in Nachbars Garten stehen. Auch die Sache selbst nahm ihren Lauf, die Ermittler blieben unerbittlich: Wagner habe sich wegen unbefugten Uniformtragens strafbar gemacht. So sah es schließlich das Gericht und verurteilte den Anger klagten zu 300 Mark Geldstrafe.

Eine hilfreiche Geste: Jetzt weiß man, was partout verboten ist. Finger weg von schwarzen Krempen und weißen Stoffen auf grünen Köpfen. Die Richter sahen da ganz klar, und der Hinweis auf Landesvater Ernst Albrecht nützt dem grünen Spaßvogel gar nichts. Der hatte sich einst die Mütze eines Bundesbahners aufgesetzt, seine Kelle zur Hand genommen und für Landeskinder und Pressephotographen einen Zug abfahren lassen. Es sei doch ganz offensichtlich, meinten die Richter, daß der Herr Albrecht die Karriere eines Lokführers nicht anstrebe, der wolle Ministerpräsident bleiben.

Hut ab vor so viel Scharfsinn. Die Auszeichnung mit einer Kopfbedeckung, die sonst nur Prinzen und Tollitäten vorbehalten ist, sollte den Richtern sicher sein.

Hanns-Bruno Kammertöns