West-Berlin

Im heißen August 1982: Auch in weiter nördlich gelegenen europäischen Metropolen erwacht jetzt das Leben auf den Straßen erst nach Sonnenuntergang.

Montagnacht in Paris, am Boulevard St. Germain, vor dem Café Aux Deux Magots: Musikanten, Gruppen und Solisten treten vor Kaffeehausbesuchern und einem dichten Kreis schaulustiger Passanten auf. Ihnen folgt ein Feuerschlucker. Die Menge applaudiert.

Samstagnacht in Berlin, am Kurfürstendamm, vor dem „Cinéma Paris“: Eine Gitarrengruppe hat ihr Ständchen beendet, ein Feuerschlucker macht seine ersten Übungen. Kaum haben die ersten drei, vier Flammenstödie Gesichter der Umstehenden, die Hausfassaden und Baumkronen rot erleuchtet, da hält auch schon am Bordstein eine Funkstreife der Berliner Polizei. Der Ausweis des Feuerschlucken wird per Funk überprüft, die Personalien werden festgehalten, weitere Auftritte untersagt. Gegenüber der empörten Menge verteidigen die Polizisten ihr Vorgehen mit Hinweisen auf die Gefährlichkeit des Umgangs mit Feuer, auch sei „die Leichtigkeit des Verkehrs“ gestört. Mit „Verkehr“ ist der Korso der Berliner und der Touristen gemeint, die es erst zu dieser späten, weil etwas kühleren Stunde hinaus auf die Straße treibt. Es hilft nichts. Die Menge muß sich zerstreuen.

Da hat der Berliner Senat Kommissionen und Beauftragte eingesetzt, die wieder richtiges Leben an, den „niedergehenden“ Kurfürstendamm bringen sollen. Und offizielle Stellen wie Medien räsonieren über das „Sterben des Boulevards“.

Sie sollten die Berliner Polizei fragen.

-thal