Verkehrsminister Hauff will die Länderpolitiker aus dem Verwaltungsrat der Bundesbahn drängen. Der Bahn wäre damit nur wenig geholfen,

Kaum ist vergessen, wie rüde Bonns Verkehrsminister im Frühjahr Wolfgang Vaerst als Chef der Bundesbahn feuerte, um ihn durch den IBM-Manager Reiner Gohlke zu ersetzen, da leistet Volker Hauff sich, wie es scheint, die nächsie Plumpheit in der Bahnpolitik. „Bei der Besetzung des Verwaltungsrates der Deutschen Bundesbahn“, so schrieb Hauff Mitte Juli noch rasch, ehe er in Urlaub fuhr, „sollte davon ausgegangen werden, daß dem § 10,3 des Bundesbahngesetzes Rechnung getragen wird und von seiten der Länder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in den Verwaltungsrat der Deutschen Bundesbahn entsandt werden, die nicht gleichzeitig die Länderinteressen als Regierungsmitglieder vertreten.“

So gouvernemental und gemäßigt die Wortwahl war, an der Brisanz konnte kein Zweifel sein. Für. die Betroffenen, die Verkehrsminister von Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern, mußte sich das wie der Vorwurf lesen, sie säßen wider Recht im Aufsichtsgremium der Bahn. Und gewiß war es auch nicht anders gemeint denn als blanke Aufforderung an die Minister, sich zurückzuziehen. Prompt kam aus den Landeshauptstädten auch der Protest.

Doch Hauff handelt in Notwehr, und er agiert konsequent. Anders als mit rigorosen Schritten kann die Bahn – sie machte letztes Jahr 4,4 Milliarden Mark Verlust – nicht zu betriebswirtschaftlichen Räson gebracht werden.

Als Hauff den Manager Gohlke holte, erntete er Hohn, weil jedermann wußte, daß nicht der alte Vorstand versagt hatte. Die Bahn litt vielmehr daran, daß die Politiker im Verwaltungsrat sie zwangen, im Übermaß unrentable Strecken in der Provinz zu bedienen. Daß Hauff deshalb die Regionalpolitiker aus dem Kontrollorgan der Bundesbahn verbannen will, ist nur folgerichtig.

Wie gut gezielt des Verkehrsministers Stoß war, bewies umgehend Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Anton Jaumann – einer der Ländervertreter im Verwaltungsrat. Just einen Tag nachdem Hauffs Brief bekanntgeworden war, trat – Zufall oder nicht – auch Jaumann mit einer bahnpolitischen Forderung hervor, wenn auch mit einer von vergleichsweise geringerer Reichweite. Auf der 37 Kilometer langen Schienenstrecke zwischen Kempten und Isny im Allgäu, so der Bayer, dürfe auf keinen Fall der Reisezugverkehr eingestellt werden, wie dies der Bahnverwaltungsrat in Abwesenheit Jaumanns beschlossen hatte. Die Strecke wird nur noch extrem schlecht genutzt, und die Bahn könnte durch die Stillegung jährlich 550 000 Mark nur triebskosten sowie einmalig zwei Millionen Mark Investitionen sparen. jährlich hätte wohl niemand das wenig segensreiche Wirken der Länderfürsten im Bahn-Management beleuchten können,

Doch so forsch Hauffs neue Initiative auch sein mag – selbst wenn die Landespolitiker selbstlos genug wären, darauf einzugehen, sie hülfe der Bahn wohl wenig. Ob die Landesminister selbst oder andere Repräsentanten die regionalen Interessen im Kontrollorgan der Bahn vertreten, bliebe im Endeffekt gleich.