Als der Berliner Ingenieur Emil Rathenau zu Beginn der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von dem Amerikaner Edison die Lizenz zur Herstellung von Glühlampen mit allen zu ihrem Betrieb erforderlichen Einrichtungen und Stromverteilungsanlagen erwarb, brauchte er Geld, um die Fabrikation aufnehmen zu können. Er fand Bankiers, die ihm das unter der Voraussetzung liehen, daß er mit dem damals schon aufwärtsstrebenden Unternehmen der Familie Siemens nicht in Konkurrenz treten würde. Der 19. April 1883 war dann die Geburtsstunde der Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektricität, die 1887 in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft umbenannt wurde.

Als sich wenige Jahre danach dennoch Überschneidungen mit Siemens ergaben, entschied sich die Deutsche Bank, bis dahin wichtigster Geld- und Ratgeber der AEG, für die Zusammenarbeit mit Siemens. Die Verbindung besteht heute noch.

An die Stelle der Deutschen Bank trat bei der AEG bald danach der legendäre Carl Fürstenberg. Er prägte nicht nur seine Bank, die Berliner Handels-Gesellschaft, sondern auch die Geschicke der AEG. Fürstenberg stand später dem Nachfolger von Emil Rathenau, seinem Sohn Walther, ebenso zur Seite wie dem späteren Generaldirektor Felix Deutsch und dem Geheimrat Bücher, alles Persönlichkeiten, die den Weltruhm der AEG begründet haben. Sie verstanden es, fähige Ingenieur re, Techniker und Erfinder in das Unternehmen zu integrieren und ihre Ideen wirtschaftlich nutzbar zu machen.

In der AEG entstand auf diese Weise der erste Drehstrommotor, Es wurden moderne Kraftwerke und richtungweisende Hochspannungsleitungen entwickelt. Bei Telefunken, einem Unternehmen, das lange Zeit zusammen mit Siemens betrieben wurde, ist vor dem ersten Weltkrieg an Sende-, Empfangs- und Rundfunktechniken gearbeitet worden, die später Weltgeltung erlangten. 1914 ging Telefunken in Alleinbesitz der AEG über.

Wie alle anderen Großunternehmen in Deutschland hatte die AEG nach dem ersten Weltkrieg unter der Weltwirtschaftskrise zu leiden. Mit Hilfe der Banken konnte die AEG sie überwinden. Und so war es auch nach dem zweiten Weltkrieg, als die AEG 90 Prozent ihrer Betriebe und 92 Prozent ihres Werkzeug- und Maschinenbestandes verloren hatte. Über Mangel an Kapital und Krediten brauchten sich die AEG-Manager der ersten Stunde niemals zu beklagen.

Beides floß bereitwillig, zu bereitwillig, wie wir heute wissen. Die Bankiers in den Aufsichtsräten vertrauten den rasch wechselnden "Generaldirektoren", von denen, sieht man von Hans C. Boden ab, der fast 30 Jahre im AEO-Vorstand war und zuletzt an dessen Spitze stand, keiner die Größe ihrer Vorgänger erreichte. In den stürmischen Jahren des deutschen Wiederaufbaus betrieben sie eine Expansionspolitik, die über lange Zeitspannen darauf ausgerichtet war, den großen Bruder Siemens einzuholen. Gelungen ist dies zumindest an der Börse, Es hat Zeiten gegeben, in denen die AEG-Aktien auf gleicher Höhe mit dem Siemens-Kurs lagen.

Solange die AEG in der Lage war, Dividenden und Kreditzinsen zu zahlen, machten die Banken das Spiel flott mit, An die Spitze des Konsortiums war inzwischen die in jenen Jahren ebenfalls auf Expansion ausgerichtete Dresdner Bank getreten, Ihre Vorstände hatten für die Wachstumspolitik der AEG-Chefs volles Verständnis, wollten sie doch damals noch die Deutsche Bank einholen.