Eine Serie von Attentaten erschütterte Nordirland. Die britische Regierung will sich dennoch nicht abhalten lassen, die Provinz wieder auf sich selber zu stellen.

Die Briten geben die Hoffnung nicht auf, Nordirland zu befrieden. Am 20. Oktober soll eine neue „Nordirland-Versammlung“ gewählt werden, bestehend aus 78 Mitgliedern. Daraus sollen Ausschüsse hervorgehen, Vorstufen späterer Ministerien. Das wäre das Endziel: Eine Regionalregierung, deren verfassungsrechtliche Stellung im Zusammenwirken von Belfaster Versammlung und Londoner Parlament festgelegt werden müßte. Die Versammlung wird nach dem unbritischen Verhältniswahlrecht bestimmt, weil andernfalls die katholische Minderheit keine Chancen hätte, proportional vertreten zu sein. Doch selbst der Proporz hilft ihr nichts, denn ein Drittel bleibt ein Drittel. Die wichtigsten Posten im Kreis jener Ausschüsse werden deshalb von Protestanten besetzt.

Das Endziel verliert sich in einer vagen Zukunft. Selbstbestimmung will zwar in der Theorie jeder, nur will sie jeder anders. Seit 1973 der damalige Nordirland- und heutige Innenminister Whitelaw zum letztenmal einen solchen großen Anlauf nahm, hat sich in der Provinz Ulster Entscheidendes nicht geändert.

Gewiß, die IRA mußte Atempausen einschieben, aber sie ist unbesiegt. Das Drängen auf einen Abzug der britischen Truppen, zeitweise auch in England sehr stark, hat nachgelassen wie jede Kampagne. Die Direktherrschaft, die Whitehall in Belfast ausübt, ist unhaltbar als Dauerzustand – aber was heißt schon Dauer im jahrhundertelangen Ringen zwischen diesen beiden Inseln? Es kann noch fünf oder zehn Jahre so weitergehen.

Wahlen sind für einige der nordirischen Politiker derzeit nur attraktiv, weil sie (in ihrem jeweiligen Lager zerstritten) intern ihre Kräfte messen wollen. Das verwechseln die Briten mit Bereitschaft zur Mitarbeit auf der Basis der Vorschläge, die Nordirlandminister Jim Prior mit großer Geduld unter die Leute zu bringen sucht.

Und die unguten Querverbindungen lassen nicht nach. Die Beziehungen zwischen der Republik Irland und der Regierung Thatcher sind auf einem absoluten Tiefpunkt, seit das Kabinett Haughey in Dublin zu erkennen gab, was es vom Falkland-Krieg hielt. Ein Londoner Stadtpolitiker der Labour Party hat in Belfast eine Rede gehalten, in der er die eigene Regierung des Kolonialismus beschuldigte. Das BBC-Fernsehen wiederholte eine umstrittene Sendung, in der gezeigt wird, daß zahlreiche gesuchte Attentäter frei in Südirland und in den USA herumlaufen.

Da gibt es wenige Hoffnungsschimmer. Einer ist der Spendenfonds, den Dubliner Bürger zugunsten der Hinterbliebenen der jüngsten IRA-Anschläge in London gegründet haben. Und zum erstenmal ist ein IRA-Mann in Dublin wegen Handlungen verurteilt worden, die er in Ulster begangen hat. Aber wer will, kann auch das negativ sehen: Den Briten wäre eine Auslieferung lieber gewesen.