Durchhalten lautet die Parole von Reagans neuem Wirtschaftsberater

Von Michael Jungblut

Ronald Reagan hat einen neuen wirtschaftspolitischen Chefberater. Der amerikanische Präsident ernannte Professor Martin Feldstein zu seinem wichtigsten ökonomischen Ratgeber. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, in dem seine wirtschaftspolitische Konzeption, mit der er das Land einem neuen Boom entgegenführen wollte, in einem Desaster zu enden scheint.

Die Wirtschaft rutscht scheinbar unaufhaltsam immer tiefer in die schwerste Rezession seit dreißig Jahren. Fast elf Millionen Amerikaner suchen vergeblich nach einem Job. Mit 9,8 Prozent hat die Arbeitslosenrate einen neuen Nachkriegsrekord erreicht. Die gesamtwirtschaftliche Leistung, Exporte und Importe sinken seit Monaten; Investitionen und Gewinne der Industrie schrumpfen. Das Defizit im Bundeshaushalt wird dagegen nach den jüngsten Berechnungen der Notenbank im kommenden Jahr die schwindelerregende Höhe von 130 Milliarden Dollar erreichen.

Obwohl die Regierung in Washington unter dem Eindruck der Hiobsbotschaften im jüngsten Wirtschaftsbericht ihre Erwartungen erneut nach unten korrigiert hat, halten fast alle unabhängigen Experten die Prognose für das nächste Jahr immer noch für viel zu optimistisch. Auch die Hoffnung, daß die jeden Aufschwung erdrückende Zinslast weiter abnehmen wird, ist inzwischen weitgehend geschwunden, nachdem das Schatzministerium in Washington seinen Kreditbedarf angekündigt hat: Allein in der zweiten Hälfte dieses Jahres muß es fast hundert Milliarden Dollar beschaffen, damit die Staatsausgaben finanziert werden können – eine Summe, mit der noch vor drei Monaten niemand gerechnet hatte.

Revolutionäres Denken

Immer mehr Politiker und Wirtschaftler sind deshalb davon überzeugt, daß der bisherige wirtschaftspolitische Kurs des Präsidenten das Land in eine Katastrophe hineinführt. Doch wer glaubt, Ronald Reagan habe seinen zurückgetretenen Chefökonomen Murray L. Weidenbaum nun durch einen Berater ersetzt, der ihm bei der Umkehr auf diesem Weg hilft, der irrt.