Die Amerikaner wärmen den alten Plan auf, einen Teil ihrer westdeutschen Garnison dichter an die Zonengrenze zu verlegen. Diese Forderung war schon in dem Acht-Punkte-Katalog enthalten, den der damalige US-Botschafter Stoessel Ende 1980 in Bonn auf den Tisch gelegt hat.

Die Kosten für die Verwirklichung des Master Restationing Plan wurden damals auf die gewaltige Summe von elf Milliarden Dollar – veranschlagt. Kein Wunder, daß die Bundesregierng wenig davon hielt und daß sie auch heute skeptisch bleibt – sie soll nämlich nach den Vorstellungen des Pentagon ein gut Teil der nötigen Gelder beisteuern. Die Opposition mahnt zwar Kompromißbereitschaft an, zieht aber gleichzeitig die Warnflagge hoch: Auch die Budgetfreiheit einer künftigen Unionsregierung werde auf dem sicherheitspolitischen Felde nicht grenzenlos sein.

In der Tat wäre es bei der angespannten Haushaltslage mehr als fragwürdig, knappe Mittel in das Verlegungs-Vorhaben zu stecken. Den Amerikanern geht es vor allem darum, ihre Truppen aus der kriminellen Szene und dem Drogenumfeld Frankfurts und Wiesbadens in bukolischere Landstriche abzuziehen – nach Gießen und Fulda, Wildflecken und Grafenwöhr. Strategische Erwägungen treten demgegenüber zurück. Zwar dürfen wir vom Prinzip der „Vorneverteidigung“ nicht abgehen, doch bedarf es zu seiner Realisierung keineswegs der Stationierung möglichst vieler Truppenverbände in unmittelbarer Nähe unserer Ostgrenze. Es reicht völlig aus, wenn sie im Spannungsfall rechtzeitig in ihre Verteidigungsräume einrücken; sie müssen nicht schon in normalen Zeiten dort Posto fassen.

Im übrigen wäre die politische Wirkung der Truppenverlegung fatal. Sie müßte das Klima für Abrüstungsgespräche auf allen drei Ebenen – interkontinentalstrategisch, eurostrategisch, konventionell – gründlich zerstören. Und sie wäre dazu angetan, Reagans Aufrichtigkeit in Sachen Abrüstung aufs neue in Zweifel zu ziehen. Das ganze ist ein unnützes Planspiel. Th. S-