Am Sonntagmorgen kam die Polizei und räumte das am Vorabend „besetzte“ Haus im Hamburger Stadtteil Billstedt, eine zweistöckige, freistehende Villa, vormals die Polizei-Revierwache 93, seit einigen Wochen an einen Galeristen vermietet. Die Hamburger Linie von Innensenator Pawelczyk – räumen binnen 24 Stunden – hätte kaum Sensation gemacht, wenn unter den Festgenommenen, nicht auch ein gewisser Thomas Ebermann gewesen wäre, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der „Grün-Alternativen Liste“ in der Hamburger Bürgerschaft, jener GAL, ohne die es keine Mehrheit im hanseatischen Landesparlament gibt, weder für die SPD (55 Mandate) noch für die CDU (56 Sitze).

Die CDU schäumt und jubelt zugleich: Da sehe man endlich, was und wer die GALier seien. Die SPD windet sich: Gesetz werde Gesetz bleiben, auch wenn der sozialdemokratische Minderheitssenat mit den Grün-Alternativen Gespräche führe. Dem Gedanken an Neuwahlen treten – vorerst – alle nur zögernd näher.

Zu Verwunderung haben freilich weder SPD noch CDU Anlaß. Ein Blick ins Wahlprogramm der GAL hätte sie belehren können, daß die Grün-Alternativen im Parlament und zugleich an der Basis arbeiten wollen; „Kleine Anfragen“ und Hausbesetzungen schließen sich in ihrem Verständnis nicht aus, sondern ergänzen einander. Die Hoffnung, sie ließen sich einbinden oder zähmen, erwies sich als trügerisch. Insoweit war Ebermanns „Provokation“ hilfreich, fast überfällig, wahrscheinlich auch in den Augen der GALier, die ihr Mißtrauen in die „Professionalisierung“ ihrer gewählten Repräsentanten sorgsam pflegen.

Das Thema „Hausbesetzung“ soll nun zwischen SPD und GAL möglichst schnell besprochen werden. Die Schonzeit der gegenseitigen freundlichen Bemerkungen ist abgelaufen. H. B.