Da sind sie nun also wieder, die Themen der Auch-Informationen des Medizin-Journalismus der letzten Jahre. Gutes Essen ist darunter, das Bier, Rauchen natürlich und ein Süßstoff.

Dinge, die Spaß machen, man kennt das unterdes, sind nicht ohne Risiko. Der Forschung blieb es vorbehalten, uns den Zusammenhang zwischen Fakten und Folgen näherzubringen, bis hin zum Unbehagen. Das mag zuweilen unvermeidlich sein. Aber: Hat auch die medizinische Wissenschaft versucht zu überzeugen, statt nur Daten aufzulisten? Sie hat wohl, denn „mit dem Risiko lassen sich Geschäfte machen“. Die bündige Erklärung ist einem neuen Buch des Münchner Medizinjournalisten Werner Thumshirn entnommen.*

Der rote Faden von „Leben ohne Furcht“: Dem Laien wird seit Jahren ein Glaubensbekenntnis zu einigen Extrakten wissenschaftlicher Theorien abverlangt, die selbst unter Experten noch umstritten sind. Thumshirn entwickelt seinen Standpunkt aus einem in Fülle zusammengetragenen, den Zeitraum von 1975 bis 1979 umfassenden Hintergrundmaterial heraus, das er vor den Augen seiner Leser neu verknüpft. Sein Fazit: „Die Spalten der Fachpresse blieben Untersuchungsergebnissen ... weitgehend verschlossen – in der Bundesrepublik noch hermetischer als anderswo.“

Eines von Thumshirns Beispielen ist der lange, leidige Krieg ums Speisefett. Es war Napoleon III., der auf die Idee kam, die französische Armee mit „Kunstbutter“ zu verköstigen. 1866 machte sich der Chemiker Mégé-Mouriés ans Werk. 1869 schon funktionierte das Verfahren: Aus den leicht schmelzenden Anteilen des Rindertalgs entsteht durch Versetzen mit Milch der Hauptanteil und spätere Namenspatron des Sparfettes, die Margarinsäure.

1871 wurde in Paris die erste Kunstbutterfabrik der Welt gebaut. Der billige Brotaufstrich half den Franzosen, eine milliardenschwere Kriegsentschädigung an das Deutsche Reich zu verdauen. Die Deutschen waren dann zweimal in diesem Jahrhundert froh, wenn sie den Ersatzstoff überhaupt bekamen. Anfang der fünfziger Jahre, als das Wirtschaftswunder Blüten trieb, Image wieder gefragt war und die ersten Butterberge sich auftürmten, da stagnierte der Margarine-Absatz.

Just in jener Zeit formuliert der amerikanische Physiologe A. Keys eine, wie sich rasch zeigen sollte, vielversprechende Theorie: Der hohe Verzehr vor allem von tierischem Fett erhöht den Cholesteringehalt des Blutes, was wiederum das Auftreten von Arteriosklerose und Herzinfarkt begünstigt. Gestützt wurde Keys Theorie durch die Daten der berühmten Framingham-Langzeitstudie, denen zufolge hohe Cholesterinwerte eine drei- bis fünffach höhere Herzinfarktrate mit sich brächten.

Margarine enthält freilich kein Cholesterin. Damit ist das Terrain bereitet für einen, wie Thumshirn schreibt, „in der breiten Öffentlichkeit chaotisch ausgetragenen Margarine-Butter-Krieg“.