Ach, wie war es doch vordem mit den Heinzelmännchen so bequem. So seufzten die Kölner wehmütig, nachdem die neugierige Bäckersfrau die dienstbaren Geister vertrieben hatte und die Bürger plötzlich wieder alle Lasten und Mühsale des Alltags ertragen mußten.

Ähnlich ergeht es uns heute in der Bundesrepublik. Die wirtschaftlichen Wachstumsraten, die uns in früheren Jahren regelmäßig steigende Löhne und Renten beschert haben, die staatlichen Kassen füllten und die Wirtschaft zu Investitionen ermunterten und Reformen ermöglichten, wollen sich einfach nicht mehr einstellen.

Und nun klappt es hinten und vorne nicht mehr, eine Hiobsbotschaft folgt der anderen: Die Zahl der Arbeitslosen nimmt beständig zu; die Welle der Unternehmenszusammenbrüche macht selbst vor einem Großunternehmen wie AEG nicht mehr halt; kaum ist unter lautem Koalitionsgezänk ein Haushaltsentwurf beschlossen worden, da müssen selbst seine Autoren einräumen, daß er wahrscheinlich auf schon wieder überholten Annahmen beruht; die Lohnerhöhungen gleichen nicht einmal mehr die Inflationsraten aus; die Warnungen aus dem Kreis der Rentenversicherungsträger, daß ihre Reserven schon bald dahingeschmolzen sein könnten, werden immer dringlicher. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Pessimismus legt sich wie dichter Nebel über das Land und lähmt die zur Überwindung der Krise notwendigen Kräfte. Die Verbraucher halten die Taschen zu, den Unternehmern fehlt der Mut zu Investitionen. So kann ein Teufelskreis entstehen, weil sinkende Nachfrage zu noch weniger Investitionen und weiteren Entlassungen führt und dies wieder zu einer noch geringeren Nachfrage. Wir machen uns gegenseitig arbeitslos. Angst und Pessimismus lähmen aber nicht allein die Kräfte, die wir für einen neuen Aufschwung brauchen.

In diesem Klima gedeiht auch eine gewisse Niedertracht, wie sie in der wachsenden Ausländerfeindlichkeit, in den abstoßenden Parolen an Häuserwänden und den peinlichen Türken-Witzen zum Ausdruck kommt. Daß die deutsche Wirtschaft und die Bundesanstalt für Arbeit einst keine Mühe scheuten, um diese Ausländer ins Land zu locken, scheint heute ebenso vergessen wie die Tatsache, daß es noch vor knapp neun Jahren eine der Hauptsorgen des derzeitigen Bundeskanzlers war, die „gegenwärtige Überbeschäftigung ein wenig zu reduzieren“.

Damals vermochte sich kaum jemand vorzustellen, daß die Bundesrepublik noch einmal von einer Massenarbeitslosigkeit heimgesucht werden könnte. Und damals galt als progressiv, wer über den Fluch eines permanenten Wirtschaftswachstums nachdachte oder empfahl, die Belastbarkeit der Wirtschaft doch einfach einmal zu erproben.

Inzwischen kennen wir die Folgen. Doch heute vermag sich kaum noch jemand vorzustellen, daß wir aus der gegenwärtigen Misere auch einmal wieder herauskommen könnten. Dabei sind die Voraussetzungen dafür nicht einmal so schlecht: Der Zeitpunkt, zu dem der durch Energiepreiserhöhungen, Änderungen der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung und die Freigabe der Wechselkurse erzwungene Strukturwandel weitgehend abgeschlossen sein wird, läßt sich absehen. Von neuen Technologien werden starke Wachstumsimpulse ausgehen, Je stärker die Verbraucher sich jetzt zurückhalten, um so größer wird ihr Nachholbedarf sein.