• Herr Gartz, warum will die DAG nun auch noch den langen Samstag abschaffen? Er ist doch sehr beliebt.

Gartz: Bei unserem neuen Vorstoß handelt es sich keinesfalls um den Versuch, das geltende Ladenschlußgesetz selbst zu ändern. Wir wollen vielmehr mit den Einzelhandels-Arbeitgebern nichts anderes, als auf vertraglicher Basis auf die derzeit bestehende Umsatzsituation im Einzelhandel reagieren. So gehen die Umsätze an langen. Samstagen in bestimmten Zeiten deutlich zurück. Sie sind zum Teil so schwach, daß sie unter dem nötigen Kostenniveau der einzelnen Betriebe liegen. Ohnedies werden die langen Samstage ja nur in bestimmten Zentren voll genutzt. Und dort, wo sie genutzt werden, geht die Kundenfrequenz ab ungefähr sechzehn Uhr – vor allem in den Sommermonaten – merklich zurück.

  • Sie zielen also nur auf die Sommermonate?

Gartz: Zunächst zielen wir nur auf die Sommermonate. Unsere Zielsetzung ist, beschäftigte Arbeitnehmer nur zu dem Teil zu ungünstig gelegenen Arbeitszeiten arbeiten zu lassen, als es unumgänglich nötig ist. Solange wir spüren, daß an langen Samstagen Käuferinteresse vorhanden ist und Wünsche befriedigt werden müssen, solange motzen wir nicht herum. Wenn es aber so ist, daß das Käuferinteresse derart zurückgeht, daß die Beschäftigten an langen Samstagen herumstehen, dann sagen uns unsere Mitglieder mit Recht, was soll der Käse. Ich denke, es kann weder aus Kostengründen richtig, noch aus Arbeitnehmersieht vertretbar sein, eine hohe Bereitschaft vorzuhalten, ohne daß tatsächlich eine Nachfrage vorhanden ist.

  • Dennoch gibt es an langen Samstagen immer noch Menschen, die auf diesen Tag für bestimmte Einkäufe angewiesen sind.

Gartz: Selbstverständlich. Und ich räume ein, daß es bei jeder Regelung eine Minderheitengruppe geben wird, die benachteiligt ist. Ich kann an diese Gruppe aber nur appellieren, nicht durch ihr Verhalten dazu beizutragen, eine andere Gruppe von immerhin rund zwei Millionen Beschäftigten im Einzelhandel zu einer maximalen Dienstleistungsbereitschaft heranzuziehen.

  • Wenn die Gewerkschaft sich nun nach der Nachfrage richtet, könnte man ja auch sonst für mehr Flexibilität etwa in Richtung Verlängerung des Ladenschlusses am Abend eintreten. Wie sieht es denn damit aus, auch vor dem Hintergrund, daß dabei vielleicht zusätzliche Arbeitsplätze entstehen?