Die Campingplätze an der Côte d’Azur sind auch in diesem Sommer wieder überfüllt. Die Reichen aber machen sich rar.

Während die Fluten des Massentourismus weiter anschwellen und weitgereiste Taschendiebe Hochkonjunktur haben, machen gleichzeitig Immobilienhändler Pleite, weil der Verkauf von Wohnungen in den letzten zwölf Monaten um rund 40 Prozent zurückging, schloß in Nizza das letzte Spielkasino. Millionärsjachten suchen seit dem Sieg der Linken in Paris andere Ankerplätze.

Mit der 76 Meter langen Jacht „Belle Simone“ hatte der Exodus der weißen Traumboote begonnen. Grund für die Flucht des griechischen Eigners John Latsis: erhöhte Hafenkosten von nun rund 200 000 Franc. Das Pariser Finanzministerium hatte sich entschlossen, das Eindocken der Luxusjacht, die in Marseille überholt werden sollte, als normale Liegezeit zu betrachten. Als die Beamten außerdem noch mehrere Millionen Mark Mehrwertsteuer für die „Schöne Simone“ kassieren wollten, platzte Latsis, der das Schiff an Araber vermietet, der Kragen, und er nahm Kurs auf die billigeren Balearen.

Für die Werften in Marseille bedeutete das einen direkten Verlust von rund zwei Millionen Mark, aber auch die Geschäftsleute an der Côte d’Azur klagen über erhebliche Einbußen. Im vergangenen Jahr hatten allein die arabischen Pächter dieses Schiffes in einem Monat 300 000 Mark an Land und in die Läden geschleppt. Die kleine Nichte des Ölscheichs Yamani soll an einem einzigen Tag für 20 000 Mark Blusen, Röcke und Schuhe gekauft haben.

Angesichts solcher Traumkunden haben die Geschäftsleute der französischen Mittelmeerküste an den Pariser Finanzminister appelliert, die Steuerschraube für die Schiffe der Araber wieder zu lockern. Bisher blieb dieser Hilferuf ungehört. So verließ auch das Flaggschiff der Araberflotte, die 161 Meter lange „Prinz Khaled“, die Côte d’Azur.

Zur gleichen Zeit klagen die Immobilienmakler über das Ausbleiben der Großanleger. Millionenobjekte sind mit einem Rabatt bis zu 20 Prozent zu haben, die Zahl der unverkauften Ferienwohnungen nimmt derart zu, daß ehemalige Spitzenverkäufer sich in anderen Feriengebieten ansiedeln. Dem kollektiven Wehgeschrei der Branche stehen indes einige Einzelgänger gegenüber, die behaupten, hier stabilisiere sich lediglich ein überhitzter Markt, was der zersiedelten Küstenlandschaft sicher gut bekomme.

Daß sich der Massentourismus dagegen an der Côte d’Azur noch weiter ausbreitet, schafft neue Probleme. Zwar werden die Stellplätze auf den hoffnungslos überrollten Campinganlagen inzwischen per Computer gespeichert, um eine bessere Ausnutzung zu erreichen, aber wo nichts zu verteilen ist, hilft auch die schönste Rechenanlage nichts. Unter den dicht an dient wohnenden Urlaubern entstehen überdies nicht selten Spannungen, die sich gelegentlich in saftigen Schlägereien entladen. So gerieten sich in Cannes Ende Juli 150 Urlauber mit etwa 60 afrikanischen Gastarbeitern in die Haare, weil die Afrikaner offenbar den leichtbekleideten Urlauberinnen besonderes Interesse widmeten. Außerdem hatten die Camper aus dem Norden ihre Zelte ausgerechnet auf einem Strandabschnitt aufgeschlagen, der den Afrikanern sonst als abendlicher Treffpunkt diente.