Innenminister Gaston Defferre: Erfolglos, aber dennoch populär

Von Ernst Weisenfeld

Paris, im August

Kaltblütig“ und „fast heiter“, so charakterisierten Augenzeugen die beiden Schützen „mediterranen Typs“, die am 9. August in der Rue des Rosiers im alten Judenviertel ein Blutbad anrichteten.

Es war kurz nach 13.00 Uhr, als sie im Restaurant Goldenberg, das der renommierten Charcuterie angegliedert ist, in der man gefüllten Fisch, Pickelfleisch und andere Spezialitäten auch „über die Straße“ kaufen kann, blutige „Maßarbeit“ machten. Kurze Feuerstöße, aus der Hüfte geschossen, trafen die Gäste, ehe sie die Gefahr realisierten. Draußen auf der Straße schossen sie weiter wahllos auf Passanten, bis sie mit langen Schritten, doch noch immer ruhig, in den schmalen Gassen verschwanden. Grausige Bilanz: sechs Tote, 22 Verletzte.

Die Polizei fand, als sie die Spuren analysiert hatte, daß es sich um Waffen polnischer Herkunft handelte, wie sie auch 1981 beim Anschlag auf eine Synagoge in Wien und im Juni 1982 beim Attentat auf den israelischen Botschafter in London benutzt worden waren. Weitere Anhaltspunkte wiesen auf eine Gruppe palästinensischer Extremisten um Abu Nidal hin, der Arafats Politik als „kompromißlerisch“ ablehnt.

In derselben Woche wurden noch vier Anschläge verübt, bei zweien gab es Verletzte. Seit Ende März waren es 17 schwere Attentate, die weitaus meisten waren nahöstlichen Ursprungs, die Hälfte hatte antizionistischen Charakter. Zählt man alle zusammen, bei denen es nur Knall und Bruch gab, sind es an die 100 allein im letzten Monat.