Von Peter Christ

Zwischen Hoffen und Bangen leben die Zulieferer von AEG. Am Montag vergangener Woche traf sie die Nachricht vom Vergleichsantrag des zweitgrößten deutschen Elektrokonzerns, der ihnen zwar abverlangt, auf sechzig Prozent ihrer Forderungen an AEG zu verzichten, aber auch die Hoffnung auf künftige Geschäfte mit dem Unternehmen läßt. Doch dann sorgten Pressemeldungen über eben diese Geschäfte, die praktisch einen Tag nach dem Vergleichsantrag begannen, für Unruhe: Verbindlichkeiten, die aus Lieferungen nach dem Vergleichsantrag entstünden, werde AEG auch nur zu vierzig Prozent begleichen, lasen die gebeutelten Lieferanten.

Zwar korrigierte AEG-Chef Heinz Dürr unverzüglich diese Meldung, doch seine Geschäftspartner waren verunsichert.

Tatsächlich ist es gerade für kleinere Betriebe ziemlich mühsam, herauszufinden, welcher AEG-Betrieb nun vom Vergleich betroffen ist und welcher verschont bleibt. So mutet die AEG-Elektrowerkzeuge GmbH in Frankfurt ihren Gläubigern keinen Forderungsverzicht zu, die Geschäftspartner der Lloyd Dynamowerke GmbH in Bremen, für Außenstehende nicht unbedingt als Tochtergesellschaft des maroden Multis zu identifizieren, können hingegen sechzig Prozent ihrer Außenstände in den Kamin schreiben.

In Nürnberg wollen sich Zulieferanten der insolventen Firma zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen, um nicht durch den Vergleich Hinter die Räder zu kommen. Denn daran gibt es keinen Zweifel, etliche mittelständische Betriebe werden die Rettung des Riesen mit dem eigenen Leben bezahlen. So mußte der schwäbische Küchenhersteller Dr. Becher & Co. in Bühlertann am vergangenen Dienstag Konkurs anmelden. Mit AEG machte der Mittelständler rund neunzig Prozent seines Umsatzes. Der Großkunde blieb eine Rechnung Von 1,6 Millionen Mark schuldig und wird damit die 187 Leute des Zulieferers um ihren Job bringen.

„Würden sie jetzt schon bekennen, daß sie der AEG-Vergleich in große Schwierigkeiten bringt, drehten Banken den Geldhahn zu, sprängen Lieferanten und Mitarbeiter ab“, meint Dieter Gössner, der die Rechtsabteilung der Industrie- und Handelskammer in Nürnberg leitet. Gerade die notorisch unterkapitalisierten Mittelständler werden große Mühe haben, das ausbleibende AEG-Geld zu ersetzen, denn Kredite sind teuer.

Viele Unternehmer werden Ernst Großmann beneiden, bei dessen Firma Büschel Kontaktbau in Jungingen AEG nur noch mit knapp 10 000 Mark in der Kreide steht. Großmann, der Steckverbindungen an den Konzern liefert, hat damit Chancen, seine Außenstände vollständig hereinzubekommen, weil AEG Forderungen von höchstens 10 000 Mark zu hundert Prozent begleichen will. Großmann macht keinen Hehl aus seiner Erleichterung: „Wir haben unsere Finger noch rechtzeitig rausgezogen.“