Von Walter Wallmann

Kann eine Sicherheitspartnerschaft zwischen Ost und West den Frieden sieben? Walter Wallmann, CDU-Oberbürgermeister von Frankfurt, widerspricht Egon Bahr.

Friedenssehnsucht beherrscht die Menschen. Angst vor einem neuen, grauenhaften Krieg geht um. Kein Wunder, daß jede Formel, jede Vorstellung, die behauptet, sie könne den Frieden sichern oder doch sicherer machen, Beachtung und oft Zustimmung erfährt – besonders dann, wenn sie von namhaften Politikern vorgetragen wird.

Wenn Bundeskanzler Schmidt mit dem Wort von der Sicherheitspartnerschaft, der SPD-Parteivorsitzende Brandt, der frühere Bonner Vertreter in Ost-Berlin Gauss oder der ostpolitische Vor- und Chefdenker der SPD Bahr von gemeinsamer Friedenssicherung durch Washington und Moskau sprechen, so finden sie bei vielen Menschen von vornherein Bereitschaft, diese Formeln für realisierbare Politik zu nehmen. Die Hoffnung und die Sehnsucht nach Frieden sind zu groß, die Angst vor einem Nuklearkrieg sitzt zu tief, als daß eine kritische Prüfung der Tragfähigkeit solcher Vorschläge immer stattfände. Wer sich trotzdem daranmacht, die Vorstellungen von Sicherheitspartnerschaft und gemeinsamer Friedenssicherung auf ihre wirklichen Chancen und Gefahren zu durchleuchten, läuft Gefahr, als Entspannungsgegner angeprangert zu werden. Auch deswegen schweigen viele.

Die Konsequenzen der neuen, die Thesen der Ostpolitik der siebziger Jahre ablösenden Gedanken sind allerdings zu gefährlich, als daß sie unkommentiert bleiben durften. Das gilt zumal für die Stellungnahmen Egon Bahrs zu diesem Thema, die sich häufen, seit die ZEIT am 19. März seinen Aufsatz über „die Pflicht zum Frieden“ druckte.

Die Kernthese Egon Bahrs lautet, daß die Erfindung der Atombombe in der Geschichte der Menschheit eine völlig neue Situation geschaffen habe, die neue Überlegungen zum Problem der Sicherheit und der Friedenswahrung notwendig mache. Für Bahr steht – und da wird ihm jeder vernünftige Mensch zustimmen – die Sicherung des Friedens an der ersten Stelle jedes außenpolitischen Zielkatalogs.

Sicherheit heißt nach Egon Bahr: gemeinsame Sicherheit, gemeinsam mit dem Gegner, da eine Sicherheit der einen Supermacht gegen die andere im Atomzeitalter nicht mehr erreichbar ist. Auch dieser Überlegung, von Bahr als Alternative zum gemeinsamen atomaren Selbstmord präsentiert, wird – so allgemein formuliert – niemand widersprechen.