Das amtliche Endergebnis steht fest: Schnaps ist nicht nur Schnaps, jedenfalls für den japanischen Fiskus. Als die Zeit am 28.5. die Klage ihres Korrespondenten in Tokio über die groteske Verteuerung zweier als Geschenk gedachter Flaschen Obstbranntweins („Prost Nippon“) abdruckte, reute Japans Finanzbehörden der kräftige Schluck aus der Pulle.

Wenige Tage nach Erscheinen der Glosse über die staatlich japanische Abschöpfung von 84 Mark zuzüglich 170,78 Mark Zwangsobulus an Importagenten überraschte mich Tokios Finanzministerium mit einem Anruf. Ein überaus höflicher und korrekter Beamter sicherte unaufgefordert Prüfung des Importvorgangs zu. Es müsse da „einige Mißverständnisse“ gegeben haben.

Ein schlechtes Omen für die Aussicht auf Kostenerstattung, so schien es. „Mißverständnisse“ lautet nämlich die stereotype Erwiderung der japanischen Regierung, wenn – wie schon seit vielen Jahren im Ausland – Kritik an der ausgeklügelten Hindernisbahn geübt wird, die Importeure überwinden müssen, ehe sie ihre Kunden in Nippon erreichen. „Mißverständnisse“ waren aber diesmal wohl ausgeschlossen, denn schließlich klaffte in meiner Börse ein Loch von 254,78 Mark. Andererseits aber ist Nippons Bürokratie von ihrer Unfehlbarkeit überzeugt. Viel Geduld also schien angebracht.

Doch schon Wilhelm Busch hat erkannt: Erstens kommt es ..anders, und zweitens als man denkt. Inzwischen hatten die beiden Schnapsflaschen nämlich an Bedeutung gewonnen: vom Geschenk über einen Importvorgang zum Grundsatzfall und schließlich zur Presseaffäre. Die große japanische Tageszeitung Yomiuri hatte die Zeit ausgewertet und dabei die „Schnapsaffäre“ entdeckt.

Während Premier Suzuki beim Pariser Weltwirtschaftsgipfel wieder einmal, offiziell Tür und Tor für Importe öffnete, übersetzte und druckte Yomiuri den Bericht in voller Länge und garnierte ihn mit einem bissigen Kommentar unter der Schlagzeile: „Wie die harten japanischen Abgaben den Schnaps aus der Heimat sechsfach verteuerten“.

Schon am nächsten Tag wurde der Obstler auch noch ganz offiziell auf den Verhandlungstisch gestellt: Der deutsche Landwirtschaftsminister Josef Ertl war zwar nicht eigens zu diesem Zweck nach Tokio geeilt, nahm aber gern die Gelegenheit wahr, die Schnaps-Idee des japanischen Zolls beispielhaft zur Sprache zu bringen.

Eine Woche nach dem ersten Anruf baten deshalb gleich zwei freundliche Beamte des Finanzministeriums zum Tee. Ergebnis der Teezeremonie: Der Fiskus hat 54 Mark zuviel verlangt. Auf die Vorhaltung, ob 30 Mark Zoll und Steuern – von den umgerechnet 170 Mark Supergebühren der Importagenten ganz zu schweigen – auf ein Geschenk im Warenwert von kaum mehr als zwanzig bis dreißig Mark nicht immer noch einer Schnapslaune entspringe, wurde, dann auch das letzte Mißverständnis ausgeräumt: Japans Fiskus ordnet Obstler in die gleiche Zoll- und Steuerklasse ein wie erlesenenfranzösischenCognac.