Von Margrit Gerste

Christie Hefner, 29 Jahre alt, ist seit April Präsidentin des amerikanischen Playboy-Konzerns. Christie Hefner ist auch eine aktive Feministin. Diese Informationen entsetzen Chauvinisten wie Feministinnen gleichermaßen. Männer, die doch ihr Geschlecht für das überlegene halten, flüchten sich verwirrt in ausgemachte Albernheiten: "Sie sieht gar nicht so aus wie ein Mädchen im Playboy!" Wundert sich einer darüber, daß der BMW-Chef nicht aussieht wie Hans Stuck? Fragt den Konzernherrn jemand, ob er kochen und nähen könne?

Schwesterlicher Stolz auf eine der ihren will auch bei den Feministinnen nicht aufkommen, weil der Playboy Frauen ausbeute und zu Sexualobjekten degradiere.

Wo immer sie auftrete, sagte Christie kürzlich, als sie Hamburg besuchte, werde sie wie ein "sprechender Hund" bestaunt, wie ein hübsches Tierchen also, das artfremde Kunststückchen beherrscht. Sie ist doch jung und hübsch und reich, wozu, verdammt noch mal, auch ehrgeizig, intelligent, feministisch gar – wie Alice Schwarzer! Pfui Teufel. Aus der anderen Ecke: Sie ist doch klug, wirklich eine engagierte Feministin, linksliberal, politisch aktiv, warum ausgerechnet, Pfui Teufel, Playboy-Chefin!

Ja, warum eigentlich nicht? Warum soll eine Feministin nicht Präsidentin des Chicagoer Männermagazin-Konzerns sein? Playboy Enterprises Inc. ist: ein Unternehmen, dessen Aktien zu 67 Prozent dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hugh Hefner, Christies Vater, gehören. Jahresumsatz: 389 Millionen Dollar. Über 2000 Angestellte. Vier Vize-Präsidentinnen, ein Drittel der Management- und Führungspositionen werden von Frauen eingenommen. Mit dem Playboy-Konzern hat somit die staatliche Überwachungsbehörde EEOC (Equal Employment Opportunity Commission) in Washington keinen Ärger. Playboy-Auflase in den USA: 5 Millionen, ein Viertel der Leserschaft sind Frauen.

Zum Unternehmen gehören weitere Illustrierte, Lizenz- und Vertriebsfirmen für Paperbacks und U.S.-Magazine, TV-Firmen, Photomodellagenturen, 15 Playboy-Klubs, Playboy-Produkte mit dem Hasen-Markenzeichen, ein Kasino und Hotel in Atlantic City; die Playboy Foundation stiftete im vergangenen Jahr 600 000 Dollar unter anderem für die "American Civil Liberties Union", das linksliberale "Institute for Policy Studies", feministische Gruppen, die beispielsweise für die Erhaltung liberaler Abtreibungsgesetze kämpfen. Auch Gloria Steinem nahm Playboy-Dollars, um ihr Ms. Magazine zu starten, das bedeutendste Feministinnen-Journal Amerikas. Sie, die sich bei der "Playboy-Lektüre wie ein Jude fühlt, der Nazi-Literatur liest", verbuchte die Spenden kurzerhand als "Reparationen".

Christies Vita: Summa cum laude-Absolventin der renommierten Brandeis-Universität. Trägerin der Phi-Beta-Kappa-Auszeichnung für hochbegabte Studenten. Anti-Vietnamkriegs-Demonstrantin; Wahlkämpferin für Hubert Humphrey gegen Richard Nixon. Jimmy-Carter-Delegierte auf dem Parteitag der Demokraten. Ein Jahr Reporterin beim Boston Phoenix, dann: Assistentin des Playboy-Aufsichtsratsvorsitzenden Hefner, vier Jahre Vize-Präsidentin, seit 79 Finanzexpertin im Aufsichtsrat, schließlich Präsidentin, Aufsichtsrätin in der Playboy Foundation, der "Illinois American Civil Liberties Union", des National Women’s Political Caucus; Gründungsmitglied des Committee of 200 für weibliche Wirtschaftsbosse. Die Liste ist nicht vollständig.