Der Sommer neigt sich ganz zaghaft seinem Ende zu. Nun ist es höchste Zeit für bange Fragen, sorgfältige Pläne, kluge Vorausschau. Weihnachten, das kann man wohl sagen, steht vor der man Kaum sind Christbaumkugel-Neurosen und Plätzchen-Phobien unter der Sonne des Südens geheilt, kaum ist es gelungen, beim Sommerschlußverkauf nervtötende Geschenkumtausch-Touren zu verdrängen, da nahen bereits wieder die Frohbotschafter aus Profession.

Wer jetzt schon weiß, was er Tante Tine schenken wird, darf sich glücklich preisen. Noch seliger der, in dessen Hobbyraum Axt und Säge hängen. Ihm steht ein Fest ohnegleichen bevor: Weihnachten „mit einem selbstgeschlagenen Baum“! Wer hat angesichts mickriger Wipfelchen im Sonderangebot nicht schon einmal Lust dazu verspürt, selbst in den Jungwald zu pirschen und die schlankste aller Tannen abzusägen? Bad Berleburg im waldreichen Rothaargebirge macht Holzfällerträume wahr: Dort ist der Advent dem Weihnachtsbaumschlagen geweiht, ganz nach dem Motto „Sägen bringt Segen“ – und Wochenendurlauber zuhauf.

Schon jetzt – unter der prallen Augustsonne – haben die findigen Fremdenverkehrsexperten alles für den Massenansturm in die lokalen Christbaumreviere geplant, Erbsensuppe wird schwachen Städtern die Kraft zum entscheidenden Schlag geben, ein Umtrunk soll lockeren Schwung verleihen. Auch die Unterscheidung zwischen ordinären und Edeltannen wird den Holzhackern leichtgemacht: Bäumchen von Adel kosten eine Mark mehr. Selbst für potentielle Transportprobleme ist vorgesorgt, eine „Wickelmaschine“ verpaßt den Bäumen autogerechtes Styling. Die dürren Christbaumreste können nach Weihnachten in Schüllar-Wemlinghausen abgeliefert werden. Dort werden sie „bei Musik, Tanz und Unterhaltung verbrannt“. Cui bono? Ein bißchen heidnisches Zündeln vertreibt vermutlich den heiligen Weihnachtsstreß.

Man schultere also seine Werkzeuge, wenn es dann soweit ist, und mache sich auf den Weg ins Wittgensteiner Land. Schließlich geht es um mehr als nur um einen eigenhändig gefällten Baum. Das wissen auch die Berleburger: „Man wird Sie beneiden“, versprechen sie.

Isolde von Mersi