Gibt es so etwas wie die deutsche Garage? Und wenn ja, welchen Stellenwert nimmt sie in unserer Zweitwagengesellschaft ein? Zugegeben, eine schwierige Frage, die gelegentlich eine Promotion verdient hätte. Der ADAC, nimmermüder Vorreiter in Sachen Autozukunft, brachte kürzlich immerhin etwas Farbe in die bislang eintönige Diskussion, als er die Garagenbesitzer zur Bemalung der Türen aufforderte. Das war schon deshalb keine schlechte Idee, weil in unserer Gesellschaft unzählige Künstler leben, die ihr Talent aus Platzmangel weitgehend im verborgenen ausüben. Wer weiß, vielleicht wird der ADAC eines Tages noch als Geburtshelfer einer neuen Pop-art gefeiert – statt Roy Lichtensteins Suppenbüchse („Campbells Tomato Soup“) eine verfremdete Öldose in kühnem Strich am eine ragentor.

Die Problematik, so scheint uns, liegt allerdings ganz woanders. Wer kann sich bei den heutigen Grundstückspreisen den Luxus leisten, 24 Quadratmeter praktisch zu verschenken, wo man auf dieser Fläche doch gut und gerne sechs Gastarbeiter mit ihren Familien unterbringen könnte. Ohnehin versperrt eine geschlossene Garagentür den Blick des (hoffentlich) neidischen Nachbarn auf das polierte Prestigeobjekt. Und weil die meisten Hersteller den Rost nicht mehr direkt ab Werk liefern, überlassen viele Kfz-Halter ihren Liebling dem freien Spiel der Witterung.

Aufgeklärte Eheberater hatten schon vor längerer Zeit die Garage als virulenten Krisenherd geortet. Darf der Benz des Familienvaters bei saurem Regen unters Dach, während Muttis Golf draußen übernachten muß?

Daß hier täglich mehr ausgefochten wird, als nur der Kampf um ein trockenes Plätzchen, bedarf keiner Freudschen Erklärung. Nutznießer des gigantischen Ringens sind die Fahrräder und Surfbretter der Sprößlinge, die das Vakuum elterlicher Autorität sofort in Beschlag nehmen. So raten wir dem verheirateten Zweitwagenbesitzer entweder totalen Garagenverzicht oder den Bau eines Doppelobjektes, wobei das Tor der Gattin ein wenig eng sein darf. Schrammen und Beulen an deren Fahrzeug heben bekanntlich unser männliches Selbstwertgefühl. Ernst Hess