Hermann Schreiber: „Das Volk steht auf. Europas Befreiungskampf gegen Napoleon.“ Hermann Schreiber, der Konsalik der Sachliteratur, hat nun auch das Volk gegen Napoleon aufstehen lassen. Über das im Titel apostrophierte „Volk“ erfährt man zwar herzlich wenig, dafür um so mehr von Militäraktionen. Die Bibliographie verzeichnet nur 28 Titel, beliebig zusammengewürfelt, die wichtigsten Titel fehlen. Aber selbst die von ihm genannte Literatur scheint Schreiber nicht gelesen zu haben, sonst könnte sein Buch nicht dermaßen viele, zum Teil haarsträubende Fehler und Albernheiten enthalten. Drei Zitate mögen genügen, um Schreibers Stil- und Bewertungskunst zu belegen: „Die Sprachen, die Maria Theresia beherrschte, ja fließend diktierte und schrieb, würden heute jeden Außenminister vor Neid erblassen lassen.“ Napoleons Mutter: „Die schöne und kluge Mutter, eine der großen Frauen der Geschichte, sie bleibt ihm und sie kann ihm niemand nehmen.“ Über die Begegnung Goethes mit Napoleon 1808 in Erfurt: „Die Szenerie, der große Hintergrund ähneln ein wenig der Situation vom Vichy-Frankreich gegenüber Hitler, nur daß die zum Teil bedeutenden germanophilen französischen Autoren wie André Germain, Louis-Ferdinand Céline und andere in der kleinbürgerlichen Begrenztheit der nazistischen Machthaber naturgemäß keine Gesprächspartner finden konnten.“ An den Kapitulationsvernandlungen von 1814 darf sogar der Marschall Mac-Mahon (der Verlierer von Sedan 1870!) teilnehmen; der war zwar damals erst sechs Jahre alt, aber Schreiber ist in den Details sowieso nicht zimperlich. Der Verlag sagt uns, wie wir dieses Bucn zu verstehen haben: „Geschichte, packend erzählt und vom Menschen her gesehen, wie es der Leser heute erwarten darf.“ Ich hatte bisher geglaubt, der Leser dürfe eine sachverständige Darstellung erwarten und, wenn’s möglich wäre, ein gutes Deutsch (Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1982; 318 S., 36,– DM). Eckart Kleßmann