Amüsant

„In Hollywood ist der Teufel los!“ von Joe Dante und Allan Arkush wirkt, als hätten zwei Kinofans zu viele B-Filme gesehen und nun versucht, selbst eine Produktion zustande zu bringen. So ähnlich war es auch. Joe Dante („Das Tier“, 1980) und Allan Arkush („Rock ’n’ Roll High School“, 1979) fabrizierten damals (1976) Trailer für Roger Corman und lieferten mit „Hollywood Boulevard“ (der unter seinem Originaltitel 1978 im Deutschen Fernsehen gezeigt wurde) eine erste Fingerübung. Die Story – vier Starlets der Mini-Firma „Miracle Films“ werden in eine Serie von Mißgeschicken (lies: Morden) verwickelt – ist nur Vorwand, um mit höhnischem Spaß den Freunden des B-Films (des Horror-, Kriegs- oder Softsex-Teenagerfilms) genau das zu präsentieren, was gleichzeitig persifliert wird: jede Menge Action und Halbnuditäten. Für Corman, den König des Billig-Films, war es seine billigste Produktion. Kein Wunder, da aus alten Corman-Epen („The Tenor“, „Frankensteins Todesrennen“) großzügig geplündert wurde und gerade verfügbare Corman-Mitarbeiter als Darsteller eingespannt wurden: Dick Miller (Star in „Little Shop of Horrors“ und „Bücket of Blood“), Charles B. Griffith (Drehbuchautor beider Filme), Regisseur Paul Bartel („Frankensteins Todesrennen“) als Regie-Exzentriker Erich von Leppe mit Tropenhelm und Reitpeitsche oder Jonathan Kaplan (später Regisseur von „Mr. Billion“ und „Wut im Bauch“). Fun für Fans (etwas vermiest durch die schludrige Synchronisation), die sich hier delektieren können an Filmen im Film mit so vielversprechenden Titeln wie „Maschinengewehr-Mädchen“, „Ade, kleine Atomkriegsbraüt“ oder „Zombies in der Dachkammer“. Wenn am Ende gar „Robby the Robot“ (aus dem SF-Klassiker „Alarm im Weltall“, 1955) auftaucht und einem Agenten für die Neuverfilmung vom „Winde verweht“ vorsprechen darf, dann charakterisiert sein Satz auch treffend die Haltung der Filmemacher zu ihrem Opus: „Frankly, Scarlet, I don’t give a damn!“.

Helmut W. Banz

Hilflos routiniert

„Rocks Off“ von Hal Ashby. Den großen Song, der dem Film den Titel gab, singt Mick Jagger gar nicht. Und die Frage zu stellen, wer bei diesem Unternehmen der bessere Regisseur gewesen wäre – Martin Scorsese vielleicht und Nicolas Roeg oder auch Werner Schroeter –, ist leider müßig. Die Behauptung „directed by Hal Ashby“ jedenfalls ist falsch. Der Mann hat zwar wieder seinen obligaten Kurzauftritt, aber inszeniert haben hier nur die Rolling Stones (sich) selber. Von Rede kann im übrigen keine Rede sein. In der ersten Dreiviertelstunde geschieht mit Ausnahme von zwei passablen Interpretationen des alten Temptations-Klassikers „Just My Imagination“ und der prophetischen Hymne für die siebziger Jahre („You Can’t Always Get What You Want“) auch musikalisch nichts, was von Belang in Sachen Rock ’n’ Roll wäre. Mit entnervender Gleichmäßigkeit wechselt die Perspektive von Nah- und Großaufnahmen zu tele-gezoomten Einstellungen. Die Montage ist so einfallslos wie die spannungs- und stimmungslose Lichtregie. Von der Dramatik, die einmal Stones-Konzerten eigen war, kann die Flächigkeit der Tele-Optik ohnehin nichts vermitteln; denn was hier passiert, ist sauberes family entertainment. Wenn sich Mick Jagger und die acht neben und hinter ihm auftretenden Musiker bei „Let It Bleed“ doch noch einmal aufraffen, an alte Zeiten zu erinnern, oder bei „Honky Tonk Women“ einige Dutzend als Bar-Floozies kostümierte Mädchen auf die Bühne kommen und anmutig wie bei einer Schönheitskonkurrenz lächeln, sind die Kameraleute dankbar. Denn hier kommt das Spektakel wenigstens zu sich selber. Im übrigen stimuliert die gymnastische Strip-Show des Mick Jagger die Phantasie nicht mehr annähernd so wie zu den Zeiten, als er in Rollen wie die des „Midnight Rambler“ schlüpfte und sich noch bemühte, vergessen zu machen, daß er kein „guter“ Sänger ist. Gewiß, das ist alles „only rock ’n’ roll“, aber das „... but I like it“ glaubt man der heiligen Nutte auf der Bühne nur noch, wenn sie plötzlich lächelt und trotz der Schminke zum Dorian Gray der Rockmusik wird. Nie hat der Regisseur, der mit ,Bound For Glory“ immerhin einmal Woody Guthrie ein Denkmal setzte, so wenig aus einem ihm eigentlich vertrauten Sujet gemacht.

Franz Schöler

Mißglückt