Mit ihrer Politik der forcierten Zinssenkung locken die Amerikaner neues Kapital an. So wird jedenfalls der feste Dollar-Kurs von den Banken interpretiert. In den Dollar-Bonds – so meinen sie – liegen noch beträchtliche Kurs-Chancen. Hinzu kommt, daß die von Präsident Reagan angekündigten Steuererhöhungen, mit deren Hilfe das Etatdefizit begrenzt werden soll, vertrauensbildend wirken.

Der deutsche Rentenmarkt folgt der Zinssenkung in den USA nur zögernd. Jetzt zeigt sich, was Skeptiker schon längst vermutet haben, daß nämlich die hohen deutschen Zinsen zum Teil hausgemacht sind. Ohne entsprechenden Mittelzufluß aus dem Ausland scheinen die öffentlichen Hände nicht in der Lage zu sein, die wachsenden Etatdefizite auszugleichen. Die Ausländer zeigen indessen wenig Neigung, sich gerade jetzt in Papieren zu engagieren, die auf Mark lauten.

Der Vertrauensschwund ist allgemein. Nicht nur gegenüber der Bundesregierung, die ihr Überleben durch neue Schulden sicherstellen will, sondern seit dem „Fall“ AEG-Telefunken auch gegenüber der gesamten deutschen Wirtschaft. Was das bedeutet, zeichnete sich in dieser Woche auf den deutschen Aktienmärkten ab.

Die Verkäufe der Ausländer beschränkten sich längst nicht mehr auf die Aktien der deutschen Großbanken, die Hauptlastträger der AEG-Insolvenz sind. Seit Dienstag hat die Abgabewelle auf alle deutschen Standardaktien übergegriffen. Qualitätsunterschiede wurden nicht mehr gemacht. Deshalb kamen die Kurse von Daimler ebenso ins Trudeln wie die von GHH und den Papieren der Großchemie, Namentlich die Schweizer Banken glauben es nicht mehr länger verantworten zu können, in ihren Kunden-Depots deutsche Aktien zu halten.

Diese Reaktion kommt nicht unerwartet. Schon seit geräumer Zeit wächst im Ausland das Mißtrauen gegenüber deutschen Wertpapieren. Die Tatsache, daß die deutschen Unternehmen auf einer vergleichsweise schmalen Eigenkapitalbasis arbeiten und deshalb bei langanhaltenden wirtschaftlichen Flauten besonders krisenanfällig sind, wird als Grund angeführt, daß Engagements in deutschen Aktien abgebaut oder ganz aufgelöst werden.

In den ersten Tagen der neuen Baisse fanden sich kaum deutsche Investoren, die bereit waren, in die Bresche zu springen. Nur wenige Investmentfonds verfügen über Liquidität, um die sich jetzt bietenden Chancen nutzen zu können. Viele Fonds haben sich bereits vor Wochen in Erwartung eines Kursaufschwungs voll in deutschen Aktien engagiert und sitzen jetzt auf einem Scherbenhaufen. K. W.