1895 eröffnete Johann Jacobs in Bremen sein Specialgeschäft in Caffee, Thee, Cacao“. Doch bald wurden „Cacao“ und „Chocolade“ aus dem Sortiment gestrichen. Jetzt besinnt sich die Kaffee-Dynastie, die 1973 in die Schweiz übersiedelte, ihrer Anfänge. Vergangene Woche gaben die Jacobs AG in Zürich und der schweizerische Schokoladen-Konzern Interfood (mit Suchard in Lörrach und Tobler in Stuttgart) bekannt, sie wollten fusionieren. Damit entstünde ein neuer Nahrungsmittelkonzern der europäischen Spitzengruppe mit knapp fünf Milliarden Mark Umsatz – davon rund zwei Milliarden in Deutschland – und angestrebten 115 Millionen Mark Gewinn. „Das ist das Schöne an diesem Projekt: Es heiraten zwei gesunde Firmen“, freut sich der Generaldirektor von Interfood in Lausanne, Jörg von Wyss. Beide Unternehmen „stehen jeweils nur auf einem Bein: Kaffee beziehungsweise Schokolade. Wir sind keine Konkurrenten, wir sind komplementär“, begründet er den geplanten Zusammenschluß.

Bei der vom einstigen Schweizer Finanzminister Nello Celio geführten Interfood, einer traditionsreichen Firma der französischen Schweiz, mag zudem die Absicht mitspielen, den Einfluß des unbequemen französischen Minderheitsaktionärs Chocolats Poulain zurückzudrängen und den schweizerischen Charakter der Gesellschaft wieder hervorzuheben. Denn Jacobs gilt den Eidgenossen durchaus als schweizerischer Konzern. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Jacobs und seine Angehörigen, die den Familien-Konzern über die Zuger Holding Colima kontrollieren, wollen sich einbürgern lassen. Über den Verlauf der Verhandlungen werden beide Partner im September Näheres verlauten lassen. 1974 freilich war eine Fusion von Jacobs mit der niederländischen Gruppe Douwe Egberts gescheitert.

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„Im eigenen wohlverstandenen Geschäftsinteresse“, so Bertelsmann -Vorstandsmitglied Hans Zopp, wollen sich vierzehn im Münchner Arbeitskreis „gut beraten – zuhause gekauft“ zusammengeschlossene Direktvertriebsfirmen deutlicher von den schwarzen Schafen ihrer Branche abheben. Sie haben sich jetzt auf schriftlich fixierte Wettbewerbsregeln, „Verhaltensstandards“ genannt, geeinigt, die zu „strikter Lauterkeit“ bei ihren Geschäften verpflichten, und zu ihrer Überwachung eine dreiköpfige Kontrollkommission ins Leben gerufen.

In den vierzehn Firmen des Arbeitskreises mit zusammen 3,5 Milliarden Mark Umsatz und rund 140 000 größtenteils nebenberuflichen Vertretern gehören so bekannte Unternehmen wie Avon, Bertelsmann, Electrolux, Pieroth und Vorwerk. Sie wollen nicht neue Gesetzesinitiativen abwarten, sondern „von sich aus Ordnung schaffen“, denn – so Zopp – „die Springflut von Gesetzen und Verordnungen, mit denen Politiker und Funktionäre den Verbraucher schützen wollen, nützen dem Konsumenten häufig wenig und drohen andererseits das unternehmerische Marketing zu ersticken“. Die Kontrollkommission nimmt im übrigen auch Beschwerden über Direktvertriebsfirmen entgegen, die nicht dem Arbeitskreis angehören.

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Mit ihren „blauen Wiesen“ kam die Aral AG auf keinen grünen Zweig. „Blaue Wiese“ war der Slogan Für die Campingplatzkette des größten deutschen Benzinvertreibers, die seit Beginn der siebziger Jahre aufgebaut worden ist und zuletzt sieben Plätze in der Bundesrepublik und einen Platz in Österreich umfaßte. Jetzt läutet Aral den Rückzug aus dem Campinggeschäft ein. Fünf der deutschen Plätze hat das Bochumer Unternehmen in die Frank-Ferienanlagen KG eingebracht, an der Aral gemeinsam mit der mittelständischen Stuttgarter Frank-Gruppe beteiligt ist. Betrieben werden sie von der zu Frank gehörenden Azur-Betriebsges. mbH, die bereits zwölf Plätze in der Bundesrepublik und zwei in Italien verwaltet. Ziel der Vereinbarung ist, daß die Plätze später voll zu Frank gehören.