In Werner Höfers Frühschoppen hört man immer interessante Meinungen, aber es passiert selten, daß man ganz neue Informationen oder gar Geheimnisse erfährt. Am letzten Sonntag jedoch verhalf der israelische Teilnehmer, der Ex-Diplomat Gideon Rafael, von 1967 bis 1971 Generaldirektor im israelischen Außenministerium, zu diesem seltenen Vergnügen.

Rafael: Ich gebe zu, daß im Moment ein Tief die Beziehungen zwischen Israel und Amerika beherrscht, verursacht durch transatlantischen Hochdruck. Doch glaube ich, wenn die Niederschläge in Beirut und Libanon aufhören, dann wird sich das Wetter wieder aufhellen. Denn im Grunde, was sich im Libanon abspielt, das ist ja nicht nur ein Kampf von Israel gegen seine schärfsten Widersacher, die PLO, sondern das ist ja doch eine Aufgabe, die Amerika gebilligt hat: das Terroristenzentrum im Libanon zu eliminieren. Und, so denke ich, wird es die Befreiung Libanons von der beherrschenden Besetzung der Arafat-PLO-Truppen sein.

Höfer: Das war was Ungeheuerliches, was Sie gerade gesagt haben, Herr Rafael – und es war offenbar die Wahrheit.

Whitney: Können Sie uns bestätigen, daß die allerersten Schritte, die Ihre Armee Richtung Norden getan hat, bereits mit Amerika abgestimmt und von Amerika abgesegnet waren? Das wäre neu.

Rafael: Ich glaube nicht, daß Amerika vollkommen unwissend war, was die Pläne waren. Es ist, glaube ich, kein Geheimnis mehr, daß diese Pläne von Scharon schon im Januar Habib mitgeteilt wurden.

Whitney: Pläne, Beirut zu belagern, oder nur Pläne, die Grenze zu überschreiten?

Rafael: Die Pläne, bis nach Beirut zu kommen, waren nicht unbekannt. Das heißt nicht: „Was ich weiß, das billige ich“, aber Scharon hat es selbst gehört, er war im Mai in Amerika und hat es noch mal ganz klargemacht, daß dies eine unhaltbare Situation ist.

Diese Mitteilung erklärt denn auch, warum die Amerikaner bei allen Beschlüssen des Sicherheitsrats, die den Abzug der israelischen Truppen forderten, ein Veto einlegten oder sich der Stimme enthielten und warum der Präsident so spät mit der Faust auf den Tisch schlug.