Den schieren Zahlen nach ist es eine der größten Aktionen des Bundesgesundheitsamtes (BGA) auf dem Arzneimittelsektor. Betroffen sind fast anderthalbtausend Schmerz- und Fiebermittel der Pyrazolon- Klasse, darunter der Marktführer Novalgin. Betroffen ist ein Millionenheer von Pillenschluckern. Betroffen sind schließlich viele hundert Pyrazolon-Verarbeiter.

Anlaß der Großaktion war die Neubewertung der zum Teil schon ein halbes Jahrhundert bekannten Nebenwirkungen der Pyrazolone: In relativ seltenen Fällen, die sich allerdings dank des Massenkonsums zu dreistelligen Zahlen addieren, können pyrazolonhaltige Präparate mitunter tödlich verlaufende Blutbildschädigungen und Schockzustände auslösen.

Ein Jahr nach einer öffentlichen Anhörung ließ das Bundesgesundheitsamt jetzt seine neuen Bestimmungen für pyrazolonhaltige Kombinationspräparate veröffentlichen. Von 1983 an müssen gut zwei Drittel der 941 Kombi-Mittel neugestaltete Packungsbeilagen und Warnhinweise tragen. 212 Arzneien dürfen nur noch bei bestimmten Leiden eingesetzt, 80 gar nicht mehr vertrieben werden.

Der späte, eher milde Kompromiß befriedigt weder die betroffenen Unternehmen noch die Pharmakritiker. Ob ein von den Kritikern verlangtes Verbot unterm Strich freilich weniger Opfer bedeutet, ist keineswegs sicher: Andere Schmerzmittel, als Pyrazolon-Ersatz und in Massen konsumiert, können neue, womöglich höhere Risiken bergen. Abhilfe schafft allenfalls eines: der Verzicht auf den schnellen Griff zur Pille bei jedem Wehwehchen. GH.