Von Heinz-Günter Kemmer

Den Korrespondenten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung plagten düstere Vorahnungen. Denn als die Norddeutsche Ferrowerke GmbH im April vergangenen Jahres den Betrieb aufnahm, schrieb er: „Fast ein wenig symbolhaft hatten sich am Himmel über dem Hafen riesige Wolkenberge aufgetürmt. Es wehte ein eisiger Wind über das 26 Hektar große Industriegelände.“

Die Ahnungen trogen nicht. In der zweiten Julihälfte – nur gut ein Jahr nach dem Start – stellte das Unternehmen in Emden Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens. Seitdem wickelt der Bremer Rechtsanwalt Hans-Richard Schulze als Zwangsverwalter die Geschäfte ab – alle Hoffnungen auf Weiterführung des Unternehmens sind in Wind und Wolken zerstoben.

Nordferro – wie das Unternehmen kurz heißt – Ist zum Opfer zweier Krisen geworden: Der Stahlkrise und der Ölkrise. Das Unternehmen stellt Eisenschwamm her, ein Produkt, das vorwiegend in Elektro-Stahlwerken eingesetzt wird und dort den Schrott verdrängen soll. Eisenschwamm wird unter Einsatz von Erdgas aus Erz hergestellt. Das Verfahren heißt Direktreduktion. Zum Durchbruch hat ihm der deutsche Stahlunternehmer Willy Korf aus Baden-Baden verholfen.

Gemeinsam mit der norwegischen Erzgesellschaft Sydvaranger gründete die Korf-Stahl AG die norddeutschen Ferrowerke. Die Norweger zeichneten 74,9 Prozent der Geschäftsanteile, Korf den Rest. So bauten sie die Anlage in Emden, die Erz aus Norwegen mit Gas aus dem norwegischen Ekofisk-Feld zu Eisenschwamm verarbeiten sollte.

Da drängte sich natürlich gleich die Frage auf, warum denn Erz und Gas aus Norwegen ausgerechnet in die Bundesrepublik gebracht werden, warum die Anlage nicht gleich in Norwegen betrieben wird? Die Antwort: Von den Gasfeldern in der Nordsee gibt es keine Verbindung zum norwegischen Festland. Und da die Kunden ohnehin in Mitteleuropa sitzen, entschied man sich für Emden, wo die Unterwasser-Pipeline von Ekofisk an Land kommt.

Zwei wichtige Faktoren haben sich allerdings seit Beginn der Planungen im Jahre 1977 entscheidend verändert: Der Erdgaspreis hat sich nahezu verdoppelt, und das Konkurrenzprodukt Schrott ist – eine Folge der Stahlkrise – mit rund zweihundert Mark je Tonne so billig wie selten zuvor.