Im Jahr 1969 inszenierte Peter Stein mit Bruno Ganz den „Tasso“ in Bremen; 1980 inszenierte Claus Peymann mit Branko. Samarovski den „Tasso“ in Bochum. Beide Aufführungen waren Schlüsselinszenierungen – für die Regisseure selber, für das ganze deutsche Theater.

1982, bei den Festspielen zu Salzburg, beweist der Regisseur Dieter Dorn (der kürzlich zum künftigen Intendanten der Münchner Kammerspiele berufen wurde), daß man sich Goethes Text auch anders nähern kann als Peymann und Stein, ohne heftigeren Ehrgeiz, ohne tiefere Leidenschaft – mit gleichsam teilnahmsloser Meisterschaft.

So rollt in Jürgen Roses dezent prunkender Ausstattung ein erstklassiges Konversationsstück aus der deutschen Klassik ab, glatt und geläufig arrangiert, manchmal auch gefällig aufgerauht: „Tasso“ auf dem Boulevard von Weimar. Und erstklassige Schauspieler demonstrieren, daß sie vor allem erstklassige Rezitatoren sind. Verwirrend nur, ja störend bei diesem Festspiel des Salzburger Kunsthandwerks der einzige Mensch, die einzige Kunstfigur auf der Bühne: Jutta Hoffmanns Prinzessin.

Keine schlechte Inszenierung und schon gar keine dumme – und trotzdem eine Untat an Goethe. Nächste Woche hierüber mehr. B. H.