Man hat ihn den „Leonardo Amerikas“ genannt, zählt ihn also zu den großen Genies, nicht so sehr wegen seiner Gemälde als vor allem für die Erfindung des nach ihm heißenden elektrischen Telegraphen und des ebenfalls nach ihm benannten Telegraphenalphabets: Samuel Morse.

Er kam 1791 in Charlestown, Massachusetts, auf die Welt, und als er sie, fast 81 Jahre alt, 1872 wieder verließ, war er berühmt, hoch geehrt, beschenkt mit Geldprämien und dekoriert mit zahlreichen Medaillen und Orden aus aller Welt. Noch heute kennt jeder seinen Namen, aus dem das Verb „morsen“ gebildet wurde, das der Duden so erklärt: „den Morseapparat bedienen; du morst, morsest“.

Alle Ehrungen, die Morse zuteil wurden, sein ganzer Weltruhm sind auf jenen elektrischen Telegraphen begründet, der 1844 auf der Strecke zwischen Washington und Baltimore zum Einsatz kam. Und wirklich hat sich Morse um die Entstehung des Apparats in höchstem Maße verdient gemacht. Aber entgegen der allgemeinen Auffassung, die in allen Lexika steht, hat er weder den Morseapparat noch das Morsealphabet erfunden.

Samuel Einley Breese Morse, Sohn des Pfarrers und Geographen Jedediah Morse, der als „Vater der amerikanischen Geographie“ gilt, kam als Vierzehnjähriger auf das Yale College, wo er Literaturgeschichte und Philosophie, auch – wie er später angab – Elementarkurse in Chemie und Elektrizität besuchte. Aber schon bald wandte er sich der Malerei zu. Er malte historische Porträts und Historienbilder in klassizistischer Manier. Als Enddreißiger – inzwischen mit seinen Historiengemälden recht angesehen – reiste Morse nach Europa – für drei volle Jahre. Aber seine Hoffnung, in England, Frankreich oder Italien lukrative Aufträge zu bekommen, erfüllte sich nicht. Ziemlich abgebrannt fuhr der Einundvierzigjährige nach Amerika zurück. Das war im Oktober 1832.

Auf der mehrere Wochen dauernden Überfahrt unterhielt ein Mitpassagier die Reisenden mit einem der kurz zuvor aufgekommenen elektromagnetischen Apparate, bei denen eine Spule aus Kupferdraht durch einen Knopfdruck aus der Entfernung über einen Draht nach Belieben magnetisch gemacht und dadurch am anderen Ende des Drahtes ein Impuls ausgelöst werden kann. Dabei kam Morse – so sagte er später – auf den Gedanken, solche Impulse in Schreibzeichen zu verwandeln. Und das sei die Idee des Telegraphen gewesen, des „Fernschreibers“, mit dem sich Nachrichten schnell über weite Entfernungen hin (so weit die Drähte reichten) übermitteln ließen.

Wieder in Amerika, versuchte Morse die Idee zu verwirklichen. Aber sein technisches Wissen reichte nicht aus. Deswegen gewann er Mitarbeiter, die von Technik und Elektrizität mehr verstanden, Joseph Henry und Alfred Vail. Besonders der sehr viel jüngere Vail arbeitete erfolgreich an der Entwicklung des Telegraphen. Aber er tat dies im vertraglich geregelten Auftrag Mörses. Morse selber hatte dafür kaum noch Zeit, nachdem er 1835 an die neue Universität von New York als Professor für Literatur, Kunst und Design berufen worden war.

1838 war der Telegraph in seiner ersten Form fertig. Aber so war er nicht einsatzfähig, weil ein zur Übertragung geeignetes Zeichensystem fehlte. Auen dieses in den folgenden Jahren entwickelte System, eine Umwandlung der Buchstaben in Zeichen aus langen und kurzen Strichen, war nachweislich Vails Erfindung. Jahre später danach befragt, antwortete Vail: