Amerika und die Sowjetunion beschleunigen das Wettrüsten im Weltall.

Offiziell steht bei der zweiten UN-Weltraumkonferenz in der Wiener Hofburg die friedliche Nutzung der Raumfahrt-Technologie auf der Tagesordnung. Eigentliches Thema von „Unispace 82“ ist jedoch die Militarisierung des Weltalls.

Die Militärs haben aus der neuen Technik schon Nutzen gezogen: Im Falkland-Krieg hielt Amerika die Briten darüber auf dem laufenden, wie die argentinischen Truppen aufmarschierten, und die Sowjetunion lieferte Argentinien aktuelle Daten über die britische Flotte im Südatlantik.

Die beiden Supermächte, Wegbereiter der zivilen Raumfahrt, sind auch die Vorreiter beim militärischen Wettlauf im All. Nach einer Studie des Stockholmer „Friedens? forschungs-Instituts“ (SIPRI) hatten dreiviertel aller in den letzten zwanzig Jahren in den Weltraum geschossenen Satelliten militärische Aufgaben. Pro Minute geben Moskau und Washington fast 60 000 Mark für Rüstungszwecke im Weltall aus.

Amerikanischen Berichten zufolge experimentiert die Sowjetunion bereits seit 1968 mit „Killer-Satelliten“, die gegnerische Satelliten zerstören können. Eine erfolgreiche Testserie der Sowjets im Juni hat die Amerikaner veranlaßt, ihr Tempo bei der Entwicklung eigener Antisatelliten-Waffen zu beschleunigen. Die US-Luftwaffe arbeitet an einer zweistufigen Rakete, die von einem Abfangjäger des Typs F-15 abgefeuert wird, feindliche Satelliten bis zu einer Höhe von 300 Kilometern ansteuern und mit einer Sprengladung zerstören kann.

Bisher unerreicht sind die geostationären Satelliten, die in einer Höhe von 36 000 Kilometern über dem Äquator ihre Bahnen ziehen. Sie eignen sich zur Nachrichtenübermittlung besonders gut, da ihre Geschwindigkeit der Erdumdrehung entspricht und sie dadurch immer dasselbe Beobachtungsobjekt anpeilen.

Matthias Naß