Von Erich Kuby

Als am Abend des 25. Juli 1943 über den Rundfunk die Nachricht verbreitet wird, Mussolini sei abgesetzt, Badoglio neuer Regierungschef, ist es, als bräche ein Vulkan aus: „Wie ein Funkenregen sprang die Neuigkeit von Straße zu Straße, verbreitete sich über alle sieben Hügel der Stadt. Viele taumelten auf die Straße, so, wie sie eben waren – im Nachthemd oder Pyjama, nur mit Pantoffeln an den Füßen. Hektisch, fast hysterisch umarmten sie einander und lachten und weinten. Dies war die Nacht, in der alles erlaubt war, was man sich zwanzig Jahre nie getraut hatte zu tun. Büsten und Bilder Mussolinis werden aus den Fenstern der Ministerien geworfen, mit Stricken hinter Autos hergeschleppt, umtanzt von einer schreienden, singenden Menge. In einer Metallfabrik schieben die Arbeiter einen Bronzekopf des Gestürzten in eine hydraulische Presse, platt wie ein Pfannkuchen kommt er wieder heraus.“

Ein Volk in seiner Existenzkrise, ein Volk, das hungert, ein Volk, das im Krieg steht gegen einen übermächtigen Feind, der bereits den Süden des Landes unmittelbar bedroht, feiert das Ende der Diktatur, den Sturz des so lange vergötterten Diktators, feiert die Freiheit, feiert sich selbst, lachend, während vom Norden her bereits die Divisionen und Panzer des Verbündeten zur Sicherung seiner Herrschaft eindringen.

Im Führerhauptquartier wird nicht erkannt, daß das ganze faschistische Regime verschwunden ist. Nur in einem Punkt urteilen – Hitler und seine Umgebung realistisch: Sie glauben nicht daran, daß Italien weiter an ihrer Seite kämpfen werde. Den ganzen August 1943 über vergeht im Führerhauptquartier kein Tag, an dem nicht besprochen würde, wie dem „Verrat“ zu begegnen sei, was bei Anwendung einer Spur von Logik verboten hätte, den Begriff von Verrat weiter zu benützen.

Je deutlicher sich vor Hitler entrollt, was in Rom geschehen ist, desto mehr steigert er sich in seine Wut hinein, desto verbissener sinnt er auf Rache.

„Man wußte auf deutscher Seite seit langem, daß Italien am Ende der Kräfte und Möglichkeiten war. Eine realistische Überprüfung der Lage hätte in Deutschland zu der Einsicht führen können, daß es richtiger gewesen wäre, gemeinsam, mit Mussolini oder Badoglio, den Krieg zu beenden (so der Kommentar im Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht).