Welttreffen der Ozeanologen: Welche Rolle spielt das Meer bei der befürchteten Erwärmung des Erdklimas?

Von Günter Haaf

Halifax, im August

Die lichtlose Wüste erstreckte sich, wie nicht anders erwartet, hinab bis zum Grund des Pazifischen Ozeans. Doch als das amerikanische Zwei-Mann-Tauchboot „Alvin“ das zerklüftete Unterwassergelände des Ostpazifischen Rückens in gut zweieinhalb Kilometer Tiefe erreichte, da war es aus mit dem Dogma von der biologisch verarmten Tiefsee: Die Scheinwerfer der „Alvin“ erhellten eine Oase des Lebens voller unbekannter, exotischer Organismen.

Rund um unterseeische Geysire sah die Tauchboot-Besatzung wuchernde Wälder riesiger Würmer ohne Mund und Darm, üppige Bänke brotlaibgroßer Muscheln sowie mehr Krebstiere und Fische als jemals zuvor in solchen Tiefen. Das bizarre Ökosystem lebt, wie detailliertere Untersuchungen inzwischen ergaben, fernab von Sonnenlicht und Photosynthese von Bakterien mit schier unglaublichen Eigenschaften: Mikroben, die selbst in 350 Grad Celsius heißem, sauerstofffreiem Wasser prächtig gedeihen, indem sie Schwefelwasserstoff und Spurenelemente aus den – wegen des hohen Drucks nicht kochenden – Thermalquellen aufnehmen und in organische Substanz umsetzen.

„Alvins“ unerwartete Landung inmitten einer außerirdisch anmutenden Lebensgemeinschaft im Januar 1977 gilt als die größte Überraschung der letzten Jahre in einem Forschungsfeld, in dem vermeintlich gesichertes Lehrbuchwissen auffallend häufig das Schicksal der „Titanic“ ereilt: Die Meeresforschung steckt mitten in einer Revolution.

Welche Flut an neuen Fakten und Fragen über die Ozeanologen hereingebrochen ist, wurde in den beiden ersten Augustwochen im kanadischen Halifax deutlich. Dort trafen sich 700. Meeresforscher aus 36 Ländern zur alle sechs Jahre stattfindenden Joint Oceanographic Assembly. Das Familientreffen der in unzählige Disziplinen zersplitterten Experten für die nassen sieben Zehntel der Erdoberfläche diente diesmal nicht nur zum Informationsaustausch über Fachgrenzen hinweg.