Von Jürgen Werner

Was Horst Ehmke in Bonn einst für die sozial-liberale Koalition formulierte – sie biete Leistungen, aber keine Erfolge – gilt offenbar auch für viele Trainer der Fußball-Bundesliga. Denn anders sind die kurzen Briefe zum langen Abschied, die ihnen ins Haus flattern, nicht zu verstehen: Beurlaubung unter Weiterzahlung der Bezüge bis zum Vertragsende.

Seine Arbeit sei langfristig angelegt, die Erfolge kämen später, so hatte Günter Habig argumentiert, als er die Mannschaft von Alemannia Aachen übernahm und sein Club-Präsident von ihm den sofortigen Aufstieg in die erste Bundesliga verlangt hatte. Den Trainern Willibert Kremer von Bayer Leverkusen, Friedhelm Wenzlaff vom MSV Duisburg, Manfred Krafft vom Karlsruher SC und Uwe Klimaschefski von Hertha BSC Berlin, alle Anfang 40, war von ihren Bossen Format und Fleiß bescheinigt worden – doch alle Beteuerungen retteten sie schließlichnichtvorderKündigung, alsdie Leistungen der Mannschaft stagnierten und der potentielle Abstieg sich abzuzeichnen begann.

Statistiker registrierten die Trainerwechsel mitten in der letzten Saison als die Nummern 112 ff. in der Geschichte der Bundesliga. Für die 20. Saison seit Bestehen der Bundesliga gibt es nun ein Novum: Nur neun der 18 Trainer konnten ihren Platz behaupten. Von den neuen ist einer ein Methusalem der Fußball-Bundesliga: Der dreiundsechzigjährige Georg Gawlicek trainierte 1963 bei ihrer Einführung die Mannschaft von Schalke 04. 1982 versuchte er noch einmal – nach mehreren Herzinfarkten – mit dem Berliner Aufsteiger Hertha BSC sein Glück, das bei vielen Vereinen mehr als Roulette denn als Rasenschach betrieben wird.

Wie und wohin der Ball rollt, bestimmen längst nicht immer die Trainer, deren berufliches Selbstverständnis vom Entertainer bis zum ernsthaften Fußball-Lehrer reicht. In der Fußball-Bundesliga als integriertem Bestandteil unserer Leistungsgesellschaft, Abteilung Unterhaltung, bestimmen weitgehend die Kriterien Erfolg und Mißerfolg das Ansehen des Trainers in der Öffentlichkeit. Die Rückkoppelung ist unvermeidbar: Der Erfolgszwang wird zur Neurose.

Die Analyse also, was denn nun den guten Trainer eigentlich ausmache, fällt daher besonders schwer, zumal die Aussagen prominenter Vertreter dieses Berufes und der von ihnen betreuten Spieler saisonal so weit differieren, daß nur festzustehen scheint, wieviel sie verdienen. Ob sie die Summen, die zwischen 15 000 und 30 000 Mark monatlich liegen, wirklich verdienen, ist eine legitime Frage angesichts einer Schuldenlast von insgesamt etwa 40 Millionen Mark, die die Bundesligavereine aufzuweisen haben.

München 1860 wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) sogar die Profi-Lizenz entzogen – überbezahlte, mittelmäßige Fußball-Profis programmierten die Pleite. Tatsache ist, die hohen Gehälter implizieren den Erfolgszwang. Die Gleichung lautet: Ein renommierter Trainer garantiert auch gute Leistungen und diese wiederum höhere Einnahmen. Die Investition muß sich lohnen. Die Praxis sieht jedoch ganz anders aus. Wie immer bei den Problemen von Schuld und Sühne steht im Vordergrund der Mensch, konkret ausgedrückt, das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern.