Ein Konzept der deutschen Delegation ist nicht zu erkennen, und wenn dann die verantwortliche Ministerin das Konzept der französischen Delegation kritisiert und deren Auftreten beklagt, dann kann damit nicht die eigene Phantasielosigkeit bemäntelt werden, mit der anscheinend die deutsche Delegation aufgetreten ist... Der Bundesrepublik Deutschland hätte ein eigenes Konferenz-Konzept gut angestanden, der kulturellen und wissenschaftlichen Kraft der Bundesrepublik hätte es entsprochen, wenn es in der Delegation nicht nur Beamte, sondern auch Schriftsteller, Maler oder Musiker gegeben hätte.

Freimut Duve, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Kunst und Kultur“ im Deutschen Bundestag, zu den Erklärungen von Staatsminister Dr. Hamm-Brücher über die Weltkulturkonferenz in Mexiko

Jazz-Auftrag

Im letzten Jahrzehnt hat sich gezeigt, daß sich mit Jazz nicht nur die Kultur, sondern auch der Fremdenverkehr bereichern läßt: Nicht mehr zu zählen alle die Orte landauf, landab, die zwischen Frühling und Herbst zu Jazz-Festen rufen. Unna in Westfalen annonciert nicht einfach ein Jubiläum („Zehn Jahre Jazz aktuell“), sondern einen Einfall, der sonst nur in Konzertsälen üblich ist: Sie hat eine Komposition in Auftrag gegeben, ein „Stadtmusik“ betiteltes Werk von dem Niederländer Willem Breuker. Es ist „für verschiedene Orchester und Musikgruppen aus Unna“ geschrieben; seine Teile bilden ein Gesamtwerk das am Abend des 17. September begonnen und am Vormittag darauf fortgesetzt werden wird. Beteiligt werden an dieser Inszenierung beileibe nicht nur Jazzer, sondern auch viele lokale Musikgruppen, dazu die Band des Komponisten, das „Breuker Kollektief“ aus Amsterdam.

Umgangsformen

Der Mailänder Professor Dr. Carlo Mongardini, Inhaber eines Lehrstuhls für Soziologie in Mailand, hat, wie er versichert, „nichts gegen Herrn Dr. Schmid aus Berlin“. Aber er hat desto mehr gegen das Bamberger Fremdenverkehrsamt, weil es ihn zum 21. Deutschen Soziologentag mit einem Wildfremden in ein Hotel-Doppelzimmer zusammensperrt. Drei Nächte lang. Keine vorsichtige Anfrage, ob das nicht eine Zumutung sei, kerne Entschuldigung, nur eine auf das Antwort-Formular getippte Feststellung: „Einzelzimmer leider ausgebucht.“ Basta. Der Wunsch des italienischen Wissenschaftlers nach einem Einzelzimmer in einem Hotel der ersten Klasse wurde zudem mit einem Hotel der Niemands-Klasse beantwortet: Der Varta-Führer hält es nicht einmal der Erwähnung wert. „Ist das die Organisation der Soziologen“, fragt der Betrogene in einem sarkastischen Beschwerdebrief, „die die Soziologie der Organisation lehren sollten?“ Seiner Empfehlung, Tagungsorte nicht „aus reiner Schwärmerei“ zu wählen, sondern nach der Möglichkeit, Gäste mit Anstand zu beherbergen, fügte er für den Fall der Unbelehrbarkeit eine Erwägung hinzu: Photos der Tagungsteilnehmer zu verlangen und die Deklaration, „ob man schnarcht oder an Schlaflosigkeit leidet und welche Hobbys man hat“. Solche, mit denen man Zimmergenossen oder Fremdenverkehrsämtern auf die Nerven geht.

Unveröffentlichtes von Gerstäcker