Äther-Krieg

Washington schlägt gegenüber Kuba immer schrillere Töne an. Hatte Ronald Reagan bereits im Mai den Amerikanern touristische Ausflüge auf die sozialistische Nachbarinsel verboten, will das amerikanische Justizministerium im nächsten Monat gegen den Chef der kubanischen Marine Anklage wegen „Beihilfe zum Rauschgiftschmuggel“ in die Vereinigten Staaten erheben. Außerdem macht die Regierung Ernst mit der propagandistischen Gegenoffensive: Auf der Insel Key West, südlich vor der Küste Floridas gelegen, werden zur Zeit zwei riesige Rundfunk-Antennen errichtet. Mit ihrer Hilfe soll künftig Radio José Marti, benannt nach dem kubanischen Nationalhelden, die Kubaner über die wahren Zustände im Land Fidel Castros aufklären. Dieser droht jedoch zurückzuschlagen. Sollte Radio José Marti sein Programm aufnehmen, will er sämtliche von Kuba aus erreichbaren Sender in den USA stören – immerhin rund 200 Stationen in 32 Bundesstaaten.

Putsch-Folgen

Beim Umsturzversuch in Kenia, der Anfang des Monats mehr als hundert Menschen das Leben kostete, gab es schwere Übergriffe gegen die asiatische Minderheit des Landes. In der Hauptstadt Nairobi wurden über 200 Läden und 300 Privathäuser von Asiaten geplündert. Gesamtschaden: rund 50 Millionen Dollar. Seit ich Amin 1972 die gesamte asiatische Bevölkerung Ugandas aus dem Land trieb, ist es in Afrika zu derart brutalen Ausschreitungen gegen Asiaten nicht gekommen. Der Haß der schwarzen Bevölkerungsmehrheit entzündete sich an dem enormen wirtschaftlichen Einfluß der gerade 70 000 Asiaten in Kenia: Sie kontrollieren 80 Prozent des Einzelhandels und erwirtschaften rund ein Viertel des Bruttosozialprodukts. Viele Asiaten transferieren einen Teil ihres Geldes jetzt illegal auf sichere Auslandskonten. Ihre Versicherungen haben sie nämlich wissen lassen, daß Schäden infolge von Staatsstreichen nicht ersetzt werden.

See-Räuber

War der Untergang der Lusitania ein zynischer Trick der britischen Admiralität, um Amerika zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu bewegen? Ein Bericht in der Sunday Times deutet darauf hin, daß die Lusitania, die am 7. Mai 1915 vor der Südküste Irlands von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, nicht der harmlose Passagierdampfer war, für den ihn die Briten ausgaben, 1201 Menschen – darunter viele Amerikaner – fanden damals den Tod. Englische Bergungsfachleute untersuchten jetzt das Wrack – erstmals, wie sie dachten. Sie mußten jedoch feststellen, daß schon jemand vor ihnen dagewesen war: Der Vorderraum des Schiffes war vollständig leergeräumt. Sollte belastendes Material beiseite geschafft werden? Die britische Admiralität hat immer bestritten, daß die Lusitania – wie von der deutschen Marine behauptet – große Mengen Munition an Bord hatte. Erster Lord der Admiralität war zum Zeitpunkt des Untergangs der Lusitania der spätere Premier Winston Churchill.

Pleite und er weiß es nicht

Die AEG und die Folgen: Schwere Melancholie ergriff da manchen Chronisten, der das Ende des Elektrokonzerns – endgültig oder nicht, das ist die Frage – vermelden mußte. Im Rheinischen Merkur las sich das so: „Der Sommer des politischen Mißvergnügens verwandelt sich durch die Zahlungsunfähigkeit der AEG unversehens zu einem Herbststurm. Die parlamentarische, Ruhe in der Bundesrepublik Deutschland trügt. Der Bonner Sommer, sonst eine in aller Welt mit Recht gerühmte, weil einfallsreiche und anmutige Einrichtung der Stadtväter, strebt mit grauen Schwaden einer eisigen Jahreszeit zu. Politische Schwüle bedeckt noch das Land. Gewitter und Platzregen bringen keine Abkühlung. Die Ausdünstungen einer wirtschaftlichen Krise riechen nach Zerfall. Das Gespenst der Massenarbeitslosigkeit – vorstellbar sind für Mitte oder Ende dieses Jahrzehnts bereits vier Millionen arbeitslose Bürger – verbreitet angstvolle Besorgnis. Viele Wähler, nicht nur Arbeitnehmer der AEG, die sich mit Wonne noch unbeschwert in der Sonne aalen, werden in Bälde zurückkehren und ihren Arbeitsplatz nicht wiederfinden, weil er im Orkus der Wirtschaftsbaisse verschwunden ist. Viele Unternehmer, große und kleine, sind schon pleite und wissen es nur noch nicht.“