Von Matthias Naß

Bremen, im August

Das neue Schuljahr begann für 800 Bremer Gymnasiallehrer mit einer unerfreulichen Nachricht. Sie fanden einen Erlaß von Bildungssenator Horst von Hassel (SPD) vor, wonach sie künftig pro Woche zwei Stunden Unterricht mehr geben müssen. Ihre wöchentliche Pflichtstundenzahl in der Sekundarstufe I (Klassen 5-10) erhöht sich damit von bisher 23 auf 25.

Die Verfügung löste bei vielen Bremer Studienräten helle Empörung aus: Der Senat versuche, Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Schüler auszutragen. Die Gymnasiallehrer des Schulzentrums am willakedamm beließen es nicht bei verbalem Protest. Elf von ihnen traten am Montag letzter Woche in einen Teilstreik. Sie verweigerten die ihnen "zu Unrecht aufgebürdeten" zusätzlichen Unterrichtsstunden. Die Empfehlung der Schulbehörde, die Mehrarbeit in die 40-Stunden-Woche "einzubetten", konterten sie mit dem Hinweis auf Untersuchungen, nach denen die Arbeitszeit der Lehrer im Durchschnitt schon jetzt weit über 40 Stunden liege. Außerdem: Wo solle denn Zeit eingespart werden? Bei der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, bei der Elternarbeit, bei Klassenfahrten oder beim Einzelgespräch mit dem Schüler?

Einige Lehrer des Kippenberg-Gymnasiums schickten den "sehr geehrten Eltern" die Mitteilung: "Um gegen die Erhöhung zu protestieren, lasse ich in dieser Woche am ... die ... Stunde in der Klasse... ausfallen. Diese Maßnahme betrachte ich nicht als Streik, sondern als Verweigerung zusätzlicher Mehrarbeit." Am Willakedamm erklärten die streikenden Lehrer: "Die Eltern sollen sich ruhig empören, aber nicht gegen uns."

Empört zeigte sich allerdings der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft, Klaus Wedemeier, Die "gesetzeswidrige Arbeitsverweigerung" der Lehrer vom Willakedamm sei eine "bewußte Irreführung der Öffentlichkeit zur Wahrung unbegründeter Standesvorteile." Die Initiatoren der Aktion wüßten genau, daß sie nicht aus Einsparungsgründen 25 Stunden pro Woche unterrichten müßten, "sondern aus Gründen der arbeitsrechtlichen Gleichstellung mit ihren Kollegen".

In der Tat hatte die Bürgerschaft im März ein Gesetz verabschiedet, wonach alle im Sekundarbereich I tätigen Lehrer einheitlich 25 Unterrichtsstunden pro Woche zu leisten haben. Haupt- und Realschullehrer hatten zuvor mit Unterstützung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) arbeits- und verwaltungsrechtliche Verfahren angestrengt weil sie nicht einsahen, daß sie mehr Unterricht geben sollten als die Gymnasiallehrer derselben Stufe.