Im Herbst 1981 blies die Lufthansa zu einer Offensive gegen billige Flugscheine vom grauen Markt. Zumindest von den deutschen Flughäfen sollten die „Grautickets“ verschwinden. Die Bilanz der Aktion ist mager, der illegale graue Markt und seine legalen Ableger gewinnen wieder an Bedeutung.

Wie ein erlaubter Billigflug zustande kommt, rechnet Thomas Tischler vom gleichnamigen Münchner Reisebüro am Beispiel Santiago de Chile (Preise vom Jah-Münchner aus: „Man nehme ab Zürich einen APEX-Flug nach Madrid und zurück (610 Mark) und kombiniere diesen mit einem Spantax-ABC-Charterflug von dort nach Santiago (1675 Mark). Zusammen kostet der Flug dann 2285 Mark. Vom nicht viel näher gelegenen Frankfurt aus müßte man dagegen bei der Lufthansa zum billigsten (Holiday-)Tarif 3649 Mark zahlen. Für die ersparten 1364 Mark nimmt der Fluggast den kurzen Zwischenaufenthalt in Madrid gerne in nimmt

So wie er rechnen auch andere Flugexperten. Von Rhein und Ruhr aus ist der Umweg über Amsterdam beliebt. Der Flug Düsseldorf-Amsterdam-Djakarta ist beispielsweise knapp 300 Mark billiger als der über Frankfurt. Ein „Excursion“-Tarif der KLM ab Amsterdam macht’s möglich. Preiswert kommt man auch nach Hongkong via Singapur, sofern man die Singapore-Airlines benutzt. Man bucht bei der fernöstlichen Gesellschaft einfach einen regulären Holiday-Flug nach Singapur und zurück zum Preis von 2399 Mark und dazu ein Anschlußticket nach Hongkong und zurück, das Münchner Reisebüros zu Preisen zwischen 35 und 229 Mark anbieten. Die Addition beider Tarife ist legal. Die Lufthansa kann ein solches Angebot allerdings nicht vorlegen, denn sie hat keine vergleichbaren Anschlußflüge ab Singapur. Bei ihr müßte man für die Kombination Singapur-Hongkong ab und bis Frankfurt 3049 Mark zahlen.

Die Liste solcher legalen Billigflug-Beispiele ist lang. Von München nach Manila geht es dabei über London (200 Mark Ersparnis), von München nach Lima über Paris (Mindestersparnis 174 Mark). Voraussetzung ist, daß man ein versiertes Reisebüro mit cleveren ausländischen Partneragenturen hat.

Nach wie vor werden in Deutschland aber auch die kaum noch legal zu nennenden „Grautickets“ verkauft, gegen die die Lufthansa im letzten Herbst anging. Beispielsweise bietet der Münchner Billigflug-Spezialist „Travel Overland“ einen Flug nach Singapur und zurück für weniger als 1600 Mark an. Mit welcher Gesellschaft man dabei fliegt, ist auf der Schaufenster-Offerte zwar nicht vermerkt, aber jeder Reiseexperte glaubt zu wissen, daß es sich um die jugoslawische Staatsfluglinie handelt.

In vielen deutschen Reisebüros bekommt man solche „grauen“ Tickets, wenn man nur lange genug nach ihnen fragt, trotz des aus Konsumentenansicht bedauerlichen, aus Steuerzahlersicht aber lobenswerten Kampfes der Lufthansa gegen „Graue“.

Im Ausland mischt die Lufthansa auch im Billigticket-Handel mit. Ein Beispiel: In Athen wurde der Flugschein zurückdatiert, damit lagen sechs Tage und ein Wochenende zwischen Hin- und Rückflug, genug für den preiswerten „flieg & spar“-Tarif.