Das politische Bonn kennt viele Kreise und Zirkel. Das sind Informationsbörsen ebenso wie Gerüchteküchen. Ein Kreis nun, der „Bonner Gesprächskreis“, konnte es nicht lassen, ein Buch zu machen. Der „Bonner Gesprächskreis“ ist ein lockern Kränzchen ans überwiegend Politikern, Beamten, Diplomaten und Lobbyisten von Verbänden und Firmen. Das Opus – 162 Seiten, von 60 Einzelpersönlichkeiten sowie 19 Unternehmen und Verbänden gefördert, von 34 Autoren (Freunden wie Mitgliedern) verfaßt – erhebt höchste Ansprüche. „Das erste Buch aus Bonn.

Politik und Wirtschaft im Brennspiegel: So wird Politik gemacht, und das sind die Hintergründe des Umgangs mit der Macht am Rhein.“ So jedenfalls wird das Werk allen an Politik und Wirtschaft Interessierten zur „Pflichtlektüre“ empfohlen – freilich vom Münchener Verleger Langen-Müller/Herbig – der ja keine 24 Mark 80 zahlen muß.

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Der Buchtitel „Bonner Provokationen“ läßt unwillkürlich an Enthüllungen à la Arnulf Barings „Kurswechsel“ erinnern. Daß es sich nur um eine Festschrift handelt, deutet Mitherausgeber Heinz Commer vom Deutschen Industrie- und Handelstag mit seinem Zitat von Martin Walser an: „Am Ich-Altar die Ego-Messe lesen zu wollen – das sei Lebensinhalt vieler tüchtiger moderner Menschen“. Haben denn nur Tüchtige diese Neigung, möchte man fragen?

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Die deutschen Ministerialbeamten beschreibt Lydia Grünther. Ein bißchen Kleiderordnung: Wer trägt blau, wer braun, wer gemischt? Wo es informativ werdet könnte, erfährt man nur, daß ein CDU-Beamter in Düsseldorf jahrelang die Schulpolitik eher SPD-Regierung torpediert hat. Da hätte der Leser schon gern gewußt, wer das wie machte. Helga Barzel-Henselder vom Bundesverband des Groß- und Außenhandels beschäftigt sich gleichfalls mit Beamten, nimmt sie gegen die vielfältigen Vorurteile in Schutz und schreibt, wie sie wirklich sind: „Die Beamten, die ich kenne, können manchmal sogar lachen, sind kulturell, sportlich, gesellschaftlich engagiert. Nicht alle, aber die meisten. Sie sind menschlich, haben Freud und Leid wie wir alle. Man trifft sie ja Konzerten, bei Vorträgen, beim Fahrradfahren, Schwimmen, Tennis. Vielleicht sind auch einige Bürokraten. Auch sie kommen mit ihrer Dienstzeit nicht aus, erreichen erst spät nach Feierabend ihr Zuhause. Wer dankt denen einmal für ihre Überstunden, ihre Leistungsbereitschaft, ihr Engagement? Deshalb: Danke!“ ... Bitte.

* Hans Jörg Budischin vom DIHT weiß über die persönlichen Referenten der Spitzenpolitiker sicher weit mehr, als er geschrieben hat. Es scheint, er wollte sein Wissen nicht gern mit anderen teilen. Den bonnunkundigen Lesern hätte aber nicht geschadet, ihnen zur Einschätzung der Referentenbedeutung zwei, drei Namen von einigen ganz oben zu nennen, die mal ganz unten als Persönliche angefangen haben. Darum sei das hier nachgeholt.